Schenker und die Deutsche Reichsbahn - Teil II

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Schenker und die Deutsche Reichsbahn - Teil II

Der Kaufpreis für die größte in Deutschland tätige Spedition betrug 24,9 Mio. Reichsmark. Sie umfasste Anfang der 1930er-Jahre 70 Firmen, die in 19 europäischen Ländern rund 200 Geschäftsstellen führten. Den Kauf hielt die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft vor der Öffentlichkeit und der Reichsregierung geheim. Die Reichsbahn war 1924 durch völkerrechtlichen Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und den Siegermächten des Ersten Weltkriegs als unmittelbare Reparationsquelle herangezogen und in eine „Gesellschaft eigenen Rechts mit privatwirtschaftlichem Charakter, aber mit starkem öffentlich-rechtlichen Einschlag“ umgewandelt worden.

Reichskanzler Heinrich Brüning in seinen Erinnerungen: „Hätte einer der Reparationsgläubiger in diesem Stadium erfahren, dass die Reichsbahn noch so wichtige und zum mindesten auf die Dauer wertvollen Reserven hatte, so hätte sie zweifellos bei den kommenden Reparationsverhandlungen den auf sie entfallenden Teil der Reparationsverpflichtungen weiter bezahlen müssen.“ Zudem wollte die Reichsbahn die Spediteure nicht völlig brüskieren.

Formale Selbstständigkeit

Um den Eigentümerübergang zu tarnen, blieb Schenker formal selbstständig. Ein Teil der bisherigen Gesellschafter sollte es treuhändig, aber unter Kontrolle der Reichsbahn, weiterführen. Es entstand eine neue Zentrale in Berlin, die offenen Handelsgesellschaften wurden in Gesellschaften mit beschränkter Haftung bzw. Aktiengesellschaften umgewandelt. Was die Deutsche Reichbahn-Gesellschaft da unter der Hand erworben hatte, stellte sich bei einer Nachprüfung der Vermögensbilanz 1932/33 als die sprichwörtliche Katze im Sack heraus: Die Revision ergab, dass der Konzern sein gesamtes Eigenkapital verloren hatte und hoch verschuldet war. Das angebliche Sachvermögen von 12,6 Millionen Mark verwandelte sich in einen Fehlbetrag von etwa zehn Millionen. Aufgrund der vielen Vorteile, die die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft durch den Kauf von Schenker hatte, fiel diese Enthüllung allerdings nicht weiter ins Gewicht.

Wirklich geheim zu halten war der Schenker-Kauf nicht. Bereits beim Streit um den „Schenker-Vertrag“ wurden entsprechende Gerüchte laut, und die Frankfurter Zeitung vermutete bereits im März 1931, dass die Übernahme von Schenker so gut wie perfekt sei. Die Deutsche Reichbahn-Gesellschaft dementierte, und auch Schenker versuchte den Schein zu wahren: Eine Festschrift von 1932 stellt Schenker weiter als traditionsreiches Familienunternehmen dar.