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Thermomanagement – wie bereitet sich die DB auf zunehmende Hitze vor und macht die Infrastruktur robuster?
Um den Auswirkungen von Hitze auf die Infrastruktur zu begegnen, setzt die DB auch auf ganz neue Methoden, Werkstoffe und Erkenntnisse. Im September 2019 hatte die DB unter anderem auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover–Würzburg Schienen weiß gestrichen.
Dieser Test sollte Haltbarkeit und kühlende Wirkung der Farbe unter Echt-Bedingungen untersuchen. Denn ein vorgelagerter Labor-Versuch zeigte: Weiße Schienen reflektierten deutlich mehr Licht und waren etwa sieben Grad Celsius kühler als das herkömmliche Modell. Nach Abschluss des über einjährigen Praxistests kamen die DB-Infrastrukturexpert:innen zu dem Schluss, dass ein flächendeckender Farbanstrich im Schienennetz nicht sinnvoll ist. Die kühlenden Effekte der weißen Schiene waren gemessen am Aufwand für das häufige Nachstreichen zu gering. Die DB setzt den weißen Farbanstrich jedoch punktuell bei den Schienen ein. Auch die österreichischen und schweizerischen Bundesbahnen kamen nach Tests der weißen Schiene auf ihren Strecken zum gleichen Resultat. Es gibt aber noch andere Anwendungsbereiche für die weiße Farbe: So hat ein Pilotversuch gezeigt, dass die Innenraumtemperatur von Betonschalthäusern, wie sie häufig an Bahnübergängen stehen, durch einen weißen Anstrich um bis zu 11 Grad Celsius gesenkt werden kann. Das verlängert die Lebensdauer von elektrischen Bauteilen im Inneren des Betonschalthauses. Die technische Grundlage für diese Farbe stammt aus der Weltraumforschung, wo beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre extremen Temperaturen standgehalten werden muss.