Artikel: Geheimsache Bahn
Die Bahn befördert Menschen und transportiert Güter. Was kann an ihr schon geheimnisvoll sein? Vieles! Der Blick in 200 Jahre Eisenbahngeschichte zeigt, dass im Laufe der Zeit unzählige Legenden, Mythen und Geheimnisse rund um die Eisenbahn entstanden sind.
Das erste Geheimnis ...
BAHN CODIERT
Wenn man sprichwörtlich nur Bahnhof versteht, hilft das VdAbk: das Verzeichnis der Abkürzungen. Dieses, verschiedene Typenschilder von Lokomotiven mit den Betriebsnummern, zwei Handsignale aus Holz, Bilder verschiedener Loks mit ihren Spitznamen, Geräuschinstallation mit verschiedenen Fachausdrücken, Abkürzungen, Sprichwörtern und Spitznamen - das alles gibt es zur Story "Bahn Codiert", direkt im Mueseum in Nürnberg zu sehen.
Das zweite Geheimnis ...
DELIRIUM FURIOSUM HISTORICUM
Im Museum in Nürnberg warten auf die Besucherinnen und Besucher, ergänzend zur Story, drei Publikationen, die das ärztliche Gutachten zitieren. Und die sind nicht nur aus dem 19. Jahrhundert, sondern auch von 2017... .
Das dritte Geheimnis ...
MIT VOLLDAMPF IN DIE FREIHEIT
Ergänzend zur Story sehen und lesen die Besucherinnen und Besucher zwei Schreiben der Staatssicherheit von 1962, einen Auszug aus dem Bericht der Berliner Rundschau über den Fluchthergang von 1961, Aufnahmen des nach der Flucht von der Grenzpolizei zerstörten Fluchtgleises sowie einen Auszug aus dem Polizeibericht des Präsidiums Berlin.
Das vierte Geheimnis ...
FAHRGASTBESCHWERDEN
Ergänzend zur Story liegt im Museum in Nürnberg ein originales Beschwerdebuch von 1906 aus dem Bahnhof München aus. Darin zu lesen ist zum Beispiel die Beschwerde von Joseph Levi, der sich über den Ruß von Dampflokomotiven beschwert.
Das fünfte Geheimnis ...
INDUSTRIESPIONE ODER GELEHRIGE SCHÜLER?
Ergänzend präsentieren sich zahlreiche Schriftstücke, Dokumente, Notizen und Exponate, die zur Story „Industriespionage oder Gelehrige Schüler“ klärend beitragen können...
So sehen Besucher einen Eintrag im Auftragsbuch der englischen Lokomotivfabrik Sharp, Roberts & Co. für die Lokomotive Manchester: Damit im Herzogtum Braunschweig Lokomotiven nach englischem Vorbild nachgebaut werden können, bestellt der Hüttensecretair Carl Hoffmann für die Maschinenfabrik Zorge ganz legal eine Musterlokomotive bei der renommierten englischen Lokomotivfabrik Sharp, Roberts & Co. aus Newcastle upon Tyne in Nordengland.
Außerdem sind der Nachbau des Geislauterner Dampfwagens sowie ein 1:32-Modell der ersten betriebsfähigen Dampflokomotive „Saxonia“ ausgestellt. „Saxonia“ wird in den Jahren 1839-1841 bei der Leipzig-Dresdner Eisenbahn (LDE) eingesetzt. Der Konstrukteur Johann Andreas Schubert baut sie nach dem Vorbild eines englischen Dampfwagens, der von der LDE zur Eröffnung der Strecke beschafft worden ist.
Darüber hinaus gibt es u.a. einen Bericht über die Eröffnung der Leipzig-Dresdner Eisenbahn aus dem Schweizer Boten von 1839 und eine technische Skizze des ersten Dampfwagens der Königlichen Eisengießerei Berlin zu sehen.
Interessante Hinweise und Erklärungen ergänzen die Ausstellungsstücke. Und, es gibt eine Puzzle-Spiel für Besucher, die sich ebenfalls als Konstrukteure versuchen wollen.
Das sechste Geheimnis ...
WER IST DIE SCHNELLSTE?
Vor Ort, im DB Museum in Nürnberg sind Modelle der beiden Kontrahenten zu bestaunen: Zu sehen sind ein 1:87-Modell der Dampflokomotive 05 002 der Deutschen Reichsbahn und ein 1:87-Modell der Dampflokomotive „Mallard“.
Der Geschwindigkeitsrekord der Dampflokomotive 05 002 wird 1936 mittels Weg/Zeit-Kalkulation ermittelt. Dabei durchfährt die 3400 PS starke Maschine einen Abschnitt von 5000 m in weniger als 90 Sekunden, was rechnerisch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 200,4 km/h ergibt. Die Dampflokomotive 05 002 wird 1960 verschrottet. Die Schwesterlok 05 001 ist im Original erhalten und in der Fahrzeughalle II des DB Museums zu sehen.
Der Geschwindigkeitsrekord der 2700 PS starken Dampflokomotive „Mallard“ wird 1938 durch eine 5s-Mittelwertmessung mit ½-Meilen-Zwischenwerten ermittelt. Dabei wird die aktuelle Geschwindigkeit am Ende jeder gefahrenen Meile sowie der Zwischenwert jeder halben Meile gemessen. Der Momentan-Maximalwert liegt bei 202,8 km/h, was unter Berücksichtigung von Messfehlern jedoch als zu hoch erscheint.
Das siebte Geheimnis ...
KEIN MORD IM ORIENT EXPRESS
Die Zeitreise zu den Mythen um den Orient-Express wird im DB Museum in Nürnberg u. a. von einer Remington-Reiseschreibmaschine und einem Zuglaufschild begleitet.
Agatha Christie verfasste auf einer Schreibmaschine wie dieser von 1928 ihren berühmten Roman, der als Taschenbuch „Murder on the Orient Express“ ebenfalls ausliegt. Von ihrer eigenen Reise im Orient-Express und fünf schicksalhaften Tagen in der Türkei im Jahre 1929 inspiriert, schreibt sie 1934 das berühmteste Buch über einen Zug, das es je gegeben hat.
Die Luxuszüge der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) fahren seit 1872 durch Europa - der bekannteste ist ohne Zweifel der Orient-Express, der erstmals 1883 zwischen Paris und Giurgiu (Rumänien) verkehrt. Ab 1888 fährt der Zug zwischen Paris und Istanbul (damals Konstantinopel). Nach dem Ersten Weltkrieg wird der Simplon-Orient-Express eingerichtet, der das Staatsgebiet des Deutschen Reiches umgeht, indem er eine Route über den Simplontunnel und durch Oberitalien befährt. Hierzu ist ein Zuglaufschild ausgestellt sowie das Emblem der CIWL (Reproduktion ca. 1930). Dieses Logo gilt als Symbol für luxuriöses Reisen in exotische Länder und ziert alle Züge der CIWL seit 1884.
Abbildungen Josephine Bakers und ein Filmplakat einer Neuverfilmung verdeutlichen, welche glamourösen Augenblicke und Aufmerksamkeit der Orient-Express genossen hat und fortdauernd genießt. In den vielen Geschichten geht aber meist auch unter, dass der Zug nicht nur glanzvolle Zeiten erlebt hat. Mehrere schwere Unfälle, teilweise mit Todesopfern, sind ebenfalls Teil seiner Geschichte. Von dieser zeugt ein Foto (Reproduktion, 1930), das einen Entgleisten Simplon-Orient-Express-Zug bei Sirfa (Griechenland) auf der Strecke Athen-Thessaloniki zeigt.
Das achte Geheimnis ...
MYTHOS LENINREISE
Zu "Mythos Leninreise" liegen im DB Museum in Nürnberg Bücher zur Leninreise und zur russischen Revolution von Fritz Platten ("Die Reise Lenins durch Deutschland im plombierten Wagen" 1924 (Erstausgabe)) und Leo Trotzki ("Geschichte der russischen Revolution" 1960) sowie ein Wimpel aus der Lenin-Gedenkstätte in Sassnitz aus. Fotos zeigen den „Leninwagen“ in der Gedenkstätte Sassnitz, den „Leninwagen“ nach seiner Restaurierung in Nürnberg sowie den „Leninwagen“ im alten Kaiserbahnhof Potsdam, heute DB Akademie.
Das neunte Geheimnis ...
DER TOD FÄHRT MIT
Ergänzend sind im DB Museum unter anderem eine Gebeinkiste aus dem beginnenden 20. Jahrhundert sowie verschiedene Abbildungen spezifischer Transportwagen zu sehen. Außerdem ist ein Leichentram-Set (1601; Österreich/Wien) aus Bausteinen der Spielzeugfirma LEGO ausgestellt. Die Wagen der in Anlehnung an die Straßenbahn in Wien entworfenen Tram tragen das Logo der „Bestattung Wien“. Das Set wurde für das Bestattungsmuseum Wien konzipiert. Außerdem erhalten die Besucher Einblicke in das Lehrbuch (1973) über den Lade- und Beförderungsdienst bei der Deutschen Bundesbahn. Zum Thema ist etwa über das Vorgehen bei der Verladung, das Ausstellen von Beförderungspapieren sowie das Reinigen der Wagen nach dem Transport zu lesen.
Das zehnte Geheimnis ...
BAHNHOF NOTBREMSE
Der ungeplante Bahnhof
Im Museum in Nürnberg begleitet ein Notbremshebel aus dem beginnenden 20. Jahrhundert die Geschichte. Mit Hilfe eines solchen lässt sich die Notbremseinrichtung eines Zuges auslösen, die diesen zum sofortigen Halt zwingt. Aber, man beachte: Das Auslösen einer Notbremsung ist lediglich gestattet, um im Falle eines drohenden Unfalls den Zug zu stoppen oder das Zugpersonal auf eine Notsituation aufmerksam zu machen.
Außerdem sind Aufnahmen des provisorischen Bahnhofs Selm-Beifang zu sehen (um 1930, Reproduktionen, Wolfgang Boeck). Da der Bahnhof kein von der Reichsbahngesellschaft geplanter Bahnhof ist, gibt es die erste Zeit kein offizielles Bahnhofsgebäude. Daher werden zunächst zwei ehemalige ausrangierte Eisenbahnwagons aufgestellt. In einem der beiden Wagen befinden sich der Wartebereich und später auch ein Ticketautomat. Im anderen befindet sich die Bahnhofskneipe.
Das elfte Geheimnis ...
DB AG STRENG GEHEIM
In Nürnberg begleiten drei Fotografien und Beschreibungen die Geschichte über den sicheren Eisenbahnbetrieb. Zu sehen sind das Kraftwerk in einem DB-DatenVerarbeitungsZentrum (DVZ) (2006 | DB AG/Stefan Warter), die Energiezentrale für die Deutsche Bundesbahn im Sindersbachtal bei Langenprozelten am Main (1967 | Historische Sammlung DB AG) sowie der Ehemalige BASA-Bunker Nürnberg (2018 | DB Museum).
Aus aktuellem Anlass - Letzte BASA-Kopfanlage abgeschaltetAm 22. Mai 2019 hat Prof. Dr. Sabina Jeschke, Vorstand der DB AG für Digitalisierung und Technik, die letzte BASA-Kopfanlage abgeschaltet. Damit endet eine Epoche der bahneigenen Telekommunikationsgeschichte, die gleichzeitig für eine erfolgreiche Migration auf VoIP und IP-basierte Lösungen steht.