Der inklusive Einsatz von KI im Arbeitsalltag: So profitieren wir nachhaltig von der Technologie

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Die Deutsche Bahn steht vor enormen Herausforderungen: Kosten müssen gesenkt, Aufgaben effizienter erfüllt und Strukturen verschlankt werden. Vieles kommt auf den Prüfstand. Für DB Führungskräfte und Mitarbeitende bedeutet das: Die alte und neue Arbeitswelt müssen effizient miteinander verknüpft werden. Der zielgerichtete Einsatz von KI bietet enorme Vorteile und Unterstützung im Arbeitsalltag, um unsere Ziele zu erreichen – wenn sie richtig genutzt wird.  Wenn wir KI reflektiert, inklusiv und fair nutzen, entstehen bessere Entscheidungen, mehr Qualität und echter Erkenntnisgewinn – für uns, unsere DB Mitarbeitenden und schlussendlich auch für unsere DB Kund:innen. Darüber sprechen wir mit Christine Epler, Leiterin Innovation und Strategie H-Ressort, und Susanne Küspert, Leiterin Personalstrategie & Diversity. Sie erläutern, wie inklusive KI-Nutzung zur Wirtschaftlichkeit, Rechtssicherheit und Glaubwürdigkeit der DB beiträgt. 

Wie kann KI beim Konzernumbau unterstützen?

Frage: Frau Epler, als Konzernbeauftragte Diversity unterstützen Sie eine inklusive KI-Nutzung. Viele sehen KI zurzeit eher noch als Risiko. Welche Chancen sehen Sie in der Nutzung in Zeiten des Konzernumbaus? 

Quelle: DB AG/HRS
Christine Epler und Susanne Küspert im Dialog

Antwort:  Wir müssen mit weniger Ressourcen mehr erreichen, schneller entscheiden und komplexe Situationen überblicken. KI kann uns dabei enorm unterstützen. Sie kann uns Entwürfe liefern, festgefahrene Muster sichtbar machen und neue Perspektiven eröffnen.

Aber: Die KI ist nur so gut, wie wir sie trainieren und im Alltag nutzen. Stereotype oder diskriminierende Inhalte kosten uns Zeit, beschädigen Vertrauen und schaffen rechtliche Risiken. Wenn wir KI gezielt so steuern, dass sie Vielfalt abbildet und Verzerrungen reduziert, wird sie vom potenziellen Risiko zum echten Gewinn. Denn eine gut geschulte KI erhöht die Qualität unserer Ergebnisse, minimiert Risiken und stärkt das Vertrauen unserer Mitarbeitenden und Kund:innen.

„In wirtschaftlich angespannten Zeiten ist die reflektierte Nutzung von KI kein Luxus, sondern eine Voraussetzung dafür, dass wir effizient, rechtssicher und glaubwürdig bleiben.“

Was bringt es konkret?

Frage: Viele Leitbilder klingen gut, landen aber in der Schublade. Wie arbeiten Sie, Frau Küspert, mit den anderen Bereichen zusammen? Gibt es schon Erfolge, die man im Alltag spürt?

Antwort: Meine Arbeit ist grundsätzlich sehr vernetzt. Ich arbeite eng mit HR-Fachbereichen, Geschäftsfeldern, Recht, Compliance und Kommunikation zusammen und nun auch mit den KI-Teams im Konzern. Uns geht es nicht darum, KI „komplizierter“ zu machen, sondern im Gegenteil: Wir wollen einen Rahmen schaffen, in denen KI einfacher, sicherer und zielgerichteter genutzt werden kann.

Quelle: DB AG/HRS
BahnGPT erstelltes Bild mit neuem Bildgenerator-Modell

Dazu testen wir unsere Modelle regelmäßig auf Bias und problematische Muster, vergleichen sie mit externen Benchmarks und schauen uns reale Anwendungsfälle an, beispielsweise Stellenausschreibungen, Trainingsunterlagen oder Fotos. Auf dieser Grundlage passen die Fachbereiche und die KI-Teams ihre Modelle an. Bei der DB-internen KI BahnGPT wurden etwa die Modelle im Hintergrund so angepasst, dass Vielfalt realistischer und weniger stereotyp dargestellt wird.  Bei Suchbegriffen wie „Führungskräfte der DB“ sehen wir heute deutlich vielfältigere Szenarien als noch vor einiger Zeit.

Parallel dazu haben wir einen Diversity-Prompt-Baustein entwickelt, der in der neuen „Anleitung: Künstliche Intelligenz inklusiv nutzen“ beschrieben ist. Ein Prompt ist eine Eingabe, die ein System zu einer Reaktion anleitet, zum Beispiel eine KI oder ein Programm. Wer Prompts gezielt formuliert, erhält klarere Antworten, spart Zeit und reduziert Fehlinterpretationen. Dieser Baustein kann überall verwendet werden. Er macht die Nutzung nicht komplizierter, sondern sicherer und effizienter.

„Wir schauen der KI nicht nur beim Arbeiten zu. Wir testen, vergleichen und verbessern kontinuierlich und geben den Mitarbeitenden so praxisfähige Werkzeuge für den Alltag in die Hand.“

Der Diversity-Prompt: Ein kleiner Zusatz mit großer Wirkung

Frage: Frau Epler,viele Menschen haben noch Berührungsängste und sagen: „Ich habe weder Zeit noch Lust, KI-Spezialist:in zu werden.“ Wie niedrigschwellig ist Ihr Ansatz wirklich? Macht er den Arbeitsalltag nicht eher komplizierter?

Antwort: Genau das wollen wir vermeiden. Unser Ziel ist, die Nutzung von KI einfacher und praxisnah anwendbar zu gestalten. In der neu veröffentlichten Anleitung „KI inklusiv nutzen“ gibt es einen fertigen Prompt-Baustein, den das Diversity Management entwickelt hat. Dieser kann einfach kopiert und an jeden KI-Prompt angehangen werden. Das vereinfacht beispielsweise die Arbeit mit diversen internen und externen KI-Programmen.

Wenn Mitarbeitende zum Beispiel eine Stellenausschreibung, eine Präsentation oder eine Kundeninformation mit KI erstellen, ergänzen Sie am Ende Ihres Prompts diesen Baustein. Die KI achtet nun verstärkt auf eine inklusive und barrierearme Sprache sowie auf realistische Vielfalt in Darstellungen. Die Ergebnisse sind von Anfang an näher an dem, was wir als DB vertreten und kommunizieren wollen.

Der zusätzliche Aufwand für Führungskräfte und Mitarbeitende ist minimal. Der Nutzen ist groß: Entwürfe sind schneller freigabefähig, rechtliche Risiken sinken und die Zahl der Korrekturschleifen geht zurück. 

„Der Diversity-Prompt ist kein zusätzlicher Prozess, sondern ein kleiner Satz am Ende des Prompts mit spürbarer Wirkung auf Qualität und Fairness.“

Drei Beispiele aus dem Führungsalltag

Frage: Frau Küspert, können Sie Beispiele nennen, wie die inklusive KI-Nutzung im Arbeitsalltag konkret aussieht und der Mehrwert sichtbar ist?

Antwort: Sehr gern. Diese drei Situationen kennen sicher viele Arbeitnehmende:

  1. Texte für Kommunikation und StellenausschreibungenWenn KI ohne durchdachte Prompts aktiv wird, können schnell Formulierungen entstehen, die bestimmte Altersgruppen, Geschlechter oder Menschen mit Behinderung unbewusst ausschließen oder weniger adressieren. Das führt zu Nachfragen, Korrekturen und im Zweifel zu weniger Bewerbungen qualifizierter Arbeitskräfte. Mit dem Diversity-Prompt entstehen Ausschreibungen, die inklusiver und gleichzeitig rechtlich sicherer sind. Der Gewinn: Wir sprechen mehr passende Menschen an, erhöhen die Chancen auf gute Besetzung und reduzieren Abstimmungsaufwand mit HR und Rechtsbereichen. 
  2. Bilder für Präsentationen oder KommunikationsmaterialViele nutzen KI inzwischen, um Bilder zu erzeugen. Ohne Steuerung sehen wir oft Klischees, etwa Technik als reine Männerdomäne oder moderne Workshop Settings nur mit jungen Menschen. Zwar steuern die technischen Teams bereits gegen, aber die Prompt-Formulierung bleibt wichtig. Mit dem Diversity-Baustein entstehen zuverlässiger Bilder, die gemischte Teams, unterschiedliche Altersgruppen, Herkünfte und Befähigungen zeigen. Präsentationen wirken moderner, glaubwürdiger und passen besser zu unserem Anspruch als vielfältiges Unternehmen. Das erhöht Akzeptanz und Überzeugungskraft in Gremien. 
  3. Fahrgast- und KundenkommunikationKI-gestützte Textbausteine für Kampagnen, Informationen oder Antworten auf Anfragen können durch Prompts so gelenkt werden, dass Sprache klar, respektvoll und barrierearm ist. Das reduziert Missverständnisse, Beschwerden und mediale Risiken – und unterstützt die DB als verantwortungsvolle Arbeitgeberin und Dienstleisterin. Gerade hier zeigt sich: Wenn wir KI reflektiert einsetzen, verbessert sie unsere Kommunikation und stärkt die Beziehung zu unseren Kund:innen.

Lohnt sich das – oder ist das „nice to have“?

Frage: Manche sagen: „Das klingt alles gut, aber am Ende des Tages müssen wir sparen und schneller werden. Wie soll uns eine inklusive KI da helfen?“ Wie würden Sie antworten, Frau Epler?

Antwort: Ich verstehe diese Perspektive, aber sie greift zu kurz. Die reflektierte Nutzung und der Einsatz von KI verhindert ganz konkret Kosten: weniger Korrekturschleifen, weniger Reputationsschäden und geringere rechtliche Risiken. Prozesse werden stabiler, schneller und rechtssicherer. Es geht nicht um „noch ein Thema obendrauf“, sondern darum, KI so zu nutzen, dass sie unsere Werte stärkt und uns wirklich Arbeit abnimmt. Gerade bei knapperen Ressourcen ist das der effizientere Weg.

Was Führung jetzt tun kann

Frage: Was ist Ihre wichtigste Botschaft an alle, die dieses Interview lesen?

Antwort: Niemand muss KI-Expert:in sein, um verantwortungsvoll mit dieser Technologie zu arbeiten. Entscheidend ist, KI bewusst zu nutzen und Ergebnisse zu prüfen.Ein kurzer Hinweis auf Vielfalt und Inklusion im Prompt kann dabei helfen, Kommunikation inklusiver zu gestalten, unabhängig von Branche oder Funktion.

„ Unternehmen und Beschäftigte haben es selbst in der Hand, ob der Einsatz von KI für das eigene Team, die Kund:innen und die Gesellschaft ein Gamechanger wird.“