Artikel: Fachtagung der Zukunftsinitiative Bahnbau zum Grünen Bauen
InfraGO, Planenden und Bauwirtschaft diskutierten am 1. Dezember in Potsdam darüber, wie dieses Pionierfeld gemeinsam beackert werden kann
Von Miesepetern und Vogelsträußen: Ein Impuls zur erfolgreichen Nachhaltigkeitstransformation – so überschrieb Prof. Katharina Kleinschrot von der Technischen Universität Dresden ihren Beitrag auf der Fachtagung in Potsdam. Für die rund 160 Teilnehmenden rückte sie ein paar Sichtweisen auf das Thema Nachhaltigkeit und Klimaneutralität zurecht: Weltuntergangszenarien taugen ebenso wenig als Motivation wie Drohungen. Für Chancen hingegen lohnt es sich zu engagieren. Für eine Umwelt beispielsweise, die Menschen gesund erhält, in der weniger Müll sich häuft und deren natürliche Ressourcen bewusst eingesetzt werden. Alles fängt mit einem Motiv an, etwas zu tun.
Motiviert sind sie alle, die in Potsdam Versammelten. Weil nachhaltiges Bauen Chancen bietet, sich im Wortsinn auszahlt. Bereits vor zwei Jahren haben sich daher DB, Planende und Bauende in der „Zukunftsinitiative Bahnbau“ auf den Weg zur klimaneutralen Bahninfrastruktur gemacht. An Ideen ist inzwischen kein Mangel, zeigte eine ganze Reihe an „Innovationspitches“ auf der Fachtagung.
Beispiel 1: DB E.C.O. Group: Mit BIM4LCA wird im Planungsmodell dargestellt, welche Auswirkungen die technischen Planungen auf Nachhaltigkeit und Lebensdauer haben. Damit wird der Ressourcenbedarf am Lebenszyklus orientiert optimiert. So kann die nachhaltigste Lösung geplant, ausgeschrieben und gebaut werden.
Beispiel 2: Heitkamp: Schnellbaubrücke mit Widerlagern aus kunststoffbewehrter Erde. Mit der zeit- und kostenoptimierten Technologie können Brücken nicht nur schneller, sondern auch mit einem minimierten ökologischen Fußabdruck gebaut werden.
Beispiel 3: Max Bögl: Modulare Bausysteme mit „Umweltbeton“ machen Kreislaufwirtschaft ohne Abfall möglich. Einzelne Bauteile können ausgetauscht werden, am Ende der Nutzungsdauer können die Baustoffe getrennt und in den Materialkreislauf zurückgegeben werden.
Beispiel 4: DB und Swietelsky: Leichtbau-Kabeltröge werden im Rahmen eines Pilotprojektes in Neumünster mit einem Spezialzug automatisiert verlegt. Kabeltröge und Verfahren reduzieren den Ressourceneinsatz und beschleunigen den Bau der Kabelkanäle.
Beispiel 5: ARUP: Das Planungs- und Beratungsunternehmen für nachhaltiges Bauen stellt Methoden und Entwürfe für effizientes und zirkuläres Bauen von Bahnhöfen vor.
Doch wie werden aus Ideen Pilotprojekte und aus Pilotprojekten Standards im nachhaltigen Planen und Bauen? Wie kommen wir schneller vom „Man könnte“ zum „Wir machen das als Standard“? Diese Frage bestimmte die Diskussionen auf der Fachtagung.
In einem Impuls von Katrin Habenschaden ging es zudem um das „Pionierfeld für die Deutsche Bahn“, welches im Zusammenhang mit der Entwicklung von Leitmärkten für emissionsarme Grundstoffe sowohl im Koalitionsvertrag als auch in der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ des Bundesverkehrsministeriums verankert ist. Die Leiterin Nachhaltigkeit und Umwelt des DB-Konzerns wertete dies als wichtiges Signal, nicht nur für die DB, sondern auch für die Industrie. Sie betonte die große industriepolitische Bedeutung von Leitmärkten, die nicht nur für den Weg hin zur Klimaneutralität relevant seien, sondern vor allem auch für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Die DB als Abnehmerin von emissionsreduzierten Baustoffen könne hier eine wichtige Rolle übernehmen. Dafür brauche es jedoch auch die richtigen Rahmenbedingungen – vor allem bei der Zuwendungsfähigkeit und der Finanzierung. Das Pionierfeld sei dementsprechend auch eine Möglichkeit, z.B. im Rahmen von Pilotprojekten, nachhaltige Baumaterialien einzusetzen. So habe die DB InfraGO kürzlich ein solches Pilotprojekt gestartet und 1.000 Tonnen grünen Stahl beschafft. Dies sei erst einmal nicht viel, aber doch ein wichtiges Zeichen, dass es vorangehe.
„Klimaneutralität 2040“, dieses DB-Ziel, so Katrin Habenschaden, sei nur noch 15 Jahre entfernt. Um es zu erreichen, müssten heute die Grundlagen gelegt werden.
Ungeduld war auch bei den weiteren Teilnehmenden der anschließenden Podiumsdiskussion aus Planungsbüros und Bauwirtschaft spürbar: Zulassungsprozesse müssen beschleunigt, Regelwerke schneller an neue Möglichkeiten angepasst, alle Möglichkeiten des Vergaberechtes genutzt werden, um nachhaltige Materialien, Bauteile und Verfahren in der Bahninfrastruktur einsetzen zu können.
Auch die Runde sah im Pionierfeld eine Chance, die Transformation zu beschleunigen.
„Wir gestalten gemeinsam jetzt das Pionierfeld für die Bahn“, das verabredeten die Partner der „Zukunftsinitiative Bahnbau“: Katja Hüske für die DB InfraGO, Claus Berndorfer für die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen und Gerald Müller für den Verband Beratender Ingenieure verabredeten zum Ende der Fachtagung einen gemeinsamen Vorschlag, wie auf dem „Pionierfeld“ Standards für nachhaltiges Bauen rund um die Schiene heranwachsen können.