Chronik von 1835 bis heute

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Chronik von 1835 bis heute

Deutsche Eisenbahngeschichte knapp gefasst

Noch heute ist das Schienennetz in Deutschland ein Zeugnis der Entscheidungsfreude des 19. Jahrhunderts. Es sind vor allem die wohlhabenden Bürger der deutschen Städte, die den Eisenbahnbau vorantreiben. Kein Wunder, dass die ersten Streckenverbindungen zwischen den größeren Handels-, Residenz und Industriestädten gebaut werden.

Seit den Anfängen des Eisenbahnbaus 1835 in Deutschland hat sich viel getan. Die Chronik bietet Orientierung und ist zugleich auch eine Zeitreise, zu den unterschiedlichen Epochen der Eisenbahngeschichte in Deutschland. Dabei darf die Firmenchronik der 1994 gegründeten Deutschen Bahn AG nicht fehlen, die Jahr für Jahr ergänzt wird.

Aktiengesellschaften bauen die ersten Eisenbahnstrecken

1835 wird die sechs Kilometer lange Strecke zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet. Damit beginnt auch in Deutschland das Eisenbahnzeitalter. Betreiber und Besitzer der Strecke ist die „Gesellschaft für die Errichtung einer Eisenbahn mit Dampffahrt zwischen Nürnberg und Fürth“. Vor allem in den wichtigen Handels- und Industriestädten werden in den folgenden Jahren in Deutschland private Aktiengesellschaften gegründet, um den Bau von Eisenbahnstrecken zu finanzieren. In Baden und Braunschweig setzt man von Beginn an auf das Staatsbahnsystem.

1847 wird der „Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen“ gegründet. Die Staats- und Privatbahnen beginnen, sich über gemeinsame Normen der Eisenbahntechnik und über Kooperationen im Betrieb zu verständigen. Zugleich verschärfen sich seit 1847 die Auseinandersetzungen zwischen dem liberalen Bürgertum und dem monarchischen Staat. Preußen möchte möglichst ohne Kontrolle der Landstände den Bau der sogenannten Ostbahn mit einer Anleihe finanzieren. Die parlamentarische Kontrolle der Haushaltsmittel wird zu einer zentralen Forderung der Revolution von 1848.

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1886 übernimmt der preußische Staat die bedeutende „Rheinische Eisenbahngesellschaft“. Damit sind fast alle Eisenbahnstrecken in den Ländern des 1871 gegründeten Deutschen Reiches verstaatlicht. Die Staatsbahnen erwirtschaften Gewinne und tragen entscheidend zum wirtschaftlichen Wachstum bei. Weltweit spricht man vom „Goldenen Eisenbahnzeitalter“. Der 1888 eröffnete Frankfurter Centralbahnhof spiegelt den Reichtum und die Bedeutung der Eisenbahn wider; "Kathedralen des Fortschritts" werden die architekturhistorisch bedeutenden Bahnhöfe der Zeit genannt.

1914 beginnt der erste Weltkrieg. Schon in den Kriegen des späten 19. Jahrhunderts hatte die Eisenbahn eine wichtige strategische Rolle gespielt. Die militärischen und zivilen Aufgaben der deutschen Staatseisenbahnen sind eng miteinander verzahnt. So funktioniert die Zusammenarbeit bei der Mobilmachung des deutschen Heeres am 1. August 1914 auch reibungslos. Nie zuvor sind so viele Soldaten und so viel Material in Bewegung gesetzt worden, nie zuvor wurden am Ende eines Krieges so viele Tote und Verletzte gezählt. Mit der Niederlage Deutschlands und der Revolution von 1918 endet auch die Zeit der eigenständigen deutschen Staatseisenbahnen.

In der Weimarer Republik wird schließlich die Deutsche Reichsbahn gegründet. Wegweisende Entwicklungen wie die „fliegenden Züge“ oder die Einführung eines eigenen Telefonnetzes fallen in diese Zeit. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird die Reichsbahn in wenigen Jahren zu einem Werkzeug der Diktatur.

1920 geht in Deutschland das Zeitalter der Länderbahnen zu Ende. An ihre Stelle tritt zum ersten Mal ein nationales Eisenbahnunternehmen, die Deutsche Reichsbahn. Mit Inkrafttreten eines „Staatsvertrages über den Übergang der Staatseisenbahnen auf das Reich“ werden die vormals acht Staatseisenbahnen einheitlich verwaltet. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ordnet die Weimarer Republik mit ihrer demokratisch gewählten Regierung das Eisenbahnwesen neu. Die Deutsche Reichsbahn beschäftigte 1920 über eine Million Menschen und ist damit der größte Arbeitgeber.

1924 bekommt die Deutsche Reichsbahn eine neue Geschäftsgrundlage. Sie wird in eine kaufmännisch geführte Betriebsgesellschaft umgewandelt. Ziel der Reform ist es, Gewinne zu erwirtschaften und die Reichsbahn für die Bezahlung eines Großteils der Reparationsschulden des Ersten Weltkrieges zu verpflichten. Die "Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft“ erhält die Betriebsrechte an den Anlagewerten, die sie instand halten und weiterentwickeln muss. Die Geschäftsführung verantwortet ein Verwaltungsrat, dem keine Mitglieder der Regierung und der Parlamente angehören dürfen.

1930 kauft die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft den Spediteur Schenker. Die Firma mit Sitz in Wien und Zweigstellen in der ganzen Welt ist mit dem Logistikgeschäft groß geworden. Die Reichsbahn verbindet mit dem Kauf die Hoffnung, von dem weltweit wachsenden Güterverkehr zu profitieren.

1937 ist die Reichsbahn vollständig in den nationalsozialistischen Staat integriert. Die „Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft“ wird juristisch aufgelöst und wieder in „Deutsche Reichsbahn“ umbenannt. Durch gezielte Entlassungen und umfassende Eingriffe in die Unternehmensstruktur war die "Gleichschaltung" bereits zuvor praktisch vollzogen worden. Der Generaldirektor der Reichsbahn nimmt in Personalunion das Amt des Reichsverkehrsministers war. Die Einordnung in das Regime bedeutet auch die unmittelbare Beteiligung des Staatsbetriebs an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Deportationen von Millionen Menschen in die Konzentrations- und Vernichtungslager des nationalsozialistischen Regimes wären ohne die Reichsbahn nicht möglich gewesen.

Als Staatsbetriebe sind Reichsbahn und Bundesbahn eng mit dem jeweiligen politischen System verknüpft. Die Reichsbahn wird nach den Vorgaben der sozialistischen Planwirtschaft zentralistisch vom Verkehrsminister geleitet. Die Bundesbahn wird als Behörde geführt.

1945 übernehmen nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes die vier Siegermächte Sowjetunion, USA, Großbritannien und Frankreich die Regierungsgewalt in Deutschland und damit auch die Kontrolle über die Reichsbahn. Unmittelbar nach Kriegsende beginnt überall die Instandsetzung der Bahnanlagen. Die Siegermächte richten in ihren jeweiligen Besatzungszonen eigene Bahnverwaltungen ein. Mit Ausnahme der französischen Zone werden diese unter Aufsicht der Besatzungsbehörden von deutschen Eisenbahnern geleitet.

1949 wird in der Bundesrepublik die Bundesbahn gegründet. In der DDR behält die Reichsbahn ihren Namen. Beide Bahnen sind Staatsbetriebe. Die Reichsbahn wird seit 1954 nach den Vorgaben der sozialistischen Planwirtschaft zentralistisch vom Verkehrsminister geleitet, der zugleich Generaldirektor ist. In der DDR ist das Verkehrswesen eine „Aufgabe der Republik“. Aufgrund planwirtschaftlicher Vorgaben kann die Reichsbahn ihre Stellung gegenüber dem Straßenverkehr in den folgenden Jahren behaupten. Die Bundesbahn dagegen wird als Behörde mit einem Vorstand und einem Verwaltungsrat geführt. Die Bundesbahn soll nach kaufmännischen Grundsätzen wirtschaften und „gemeinwirtschaftliche Aufgaben“ erfüllen. Die Bundesbahn verliert kontinuierlich Anteile am Verkehrsaufkommen.

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1957 werden die "Eisenbahnen des Saarlandes", die seit Ende des Krieges zunächst von Frankreich und dann vom Saarland selbst verwaltet wurden, in die Bundesbahn eingegliedert. Die Bundesregierung beschließt zum ersten Mal einen Teilausgleich für betriebsfremde Kosten. Das wachsende Defizit der Bundesbahn führt zu immer neuen Reformdebatten.

1990 werden – nach den sanften Revolutionen in Osteuropa und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten – Bundesbahn und Reichsbahn mit dem Einigungsvertrag zu zwei getrennten Sondervermögen der Bundesrepublik. Die jeweiligen Vorstandsvorsitzenden sind für die Koordinierung beider Bahnen zuständig und sollen sie technisch und organisatorisch zusammenzuführen. 

Die ersten Jahre des jungen Unternehmens „Deutsche Bahn AG“ stehen im Zeichen der Bahnreform. Die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben und das neue unternehmerische Handeln geben der ehemaligen Behördenbahn ein neues Gesicht.

1994 wird die Deutsche Bahn AG gegründet. Die seit 1989 intensiv geführte Diskussion um Privatisierung und Zusammenführung von Reichsbahn und Bundesbahn kommt zu einem ersten Abschluss. Voraussetzung für die Gründung der Deutschen Bahn war die Zustimmung des Bundestages und des Bundesrates zu der Grundgesetzänderung Art. 87 und die Änderung des Eisenbahngesetzes § 28 zugunsten einer unternehmerisch geführten Aktiengesellschaft. Die Deutsche Bahn wird in das Handelsregister der Stadt Berlin eingetragen. Mit einem Verwaltungsakt am 4. Januar wird die Bundeshauptstadt Konzernsitz des Unternehmens. Heinz Dürr ist erster Vorstandsvorsitzender. 352.000 Mitarbeiter, die aus den unterschiedlichen Kulturen von zwei Wirtschaftssystemen stammen, arbeiten nun unter einem Konzerndach.

1995 werden wichtige Sanierungsstrecken im Rahmen der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ fertig gestellt. Beispiele sind die Sanierung und Elektrifizierung der Strecke Bebra – Erfurt und der Wiederaufbau der "Berliner Kurve" zur Umfahrung von Bebra.

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1996 tritt das „Regionalisierungsgesetz“ für den Nahverkehr in Kraft. Die Aufgaben- und Ausgabenverantwortung für den Schienennahverkehr geht damit vom Bund auf die Länder über. Diese entscheiden nun eigenverantwortlich, wie viel Mittel sie für die Schienenverkehre einsetzen und bei welchem Anbieter sie welche Leistung bestellen. Im Fernverkehr fährt die zweite Generation des Hochgeschwindigkeitszuges ICE.

1997 legt der neue Vorstandsvorsitzende Johannes Ludewig den Grundstein für den Berliner Hauptbahnhof, der zum zentralen Umsteigepunkt des Berliner Eisenbahnnetzes ausgebaut werden soll. Nach aufwendiger Renovierung wird der Leipziger Hauptbahnhof wieder zugänglich gemacht. Hier und in Frankfurt am Main öffnen die ersten DB Lounges ihre Tore.

1998 wird mit der Verbindung Berlin – Hannover eine weitere wichtige Aus- und Neubaustrecke im Rahmen der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ eröffnet. Alle Fortschritte der Deutschen Bahn werden in diesem Jahr aber vom tragischen Zugunglück von Eschede am 3. Juni überschattet, bei dem 101 Menschen ums Leben kommen.

1999 wird eine weitere Vorgabe der Bahnreform umgesetzt. Die ehemaligen Geschäftsbereiche Fern-, Nah-, Ladungsverkehr und Fahrweg sowie der nicht gesetzlich vorgesehene Geschäftsbereich Personenbahnhöfe werden als Aktiengesellschaften ausgegliedert. Durch die sogenannte zweite Stufe der Bahnreform wird das Unternehmen gesellschaftsrechtlich als mehrstufiger Konzern von der Deutschen Bahn als Holding geführt. Das Aktienkapital der neuen Gesellschaften hält die Deutsche Bahn, deren Aktien sind Eigentum der Bundesrepublik. Zukunftsweisend ist die Eröffnung des Flughafenbahnhofs Frankfurt am Main, der zum ersten Mal in Deutschland einen Flughafen direkt an das Fernverkehrsnetz anbindet. Fahrscheine kann man mit dem Angebot „Surf&Rail“ erstmals online kaufen.

Die Jahre nach der zweiten Stufe der Bahnreform stehen im Zeichen der „Offensive Bahn“: Sanieren, Leisten und Investieren sind die Schlagworte der Stunde. Das Unternehmen versteht sich als moderner Dienstleistungskonzern, der ganzheitliche Mobilitäts- und Logistiklösungen anbietet.

2000 fahren 2,2 Millionen Besucher mit der Deutschen Bahn zur „Expo“ nach Hannover; erstmals mit dem ICE 3, der bis zu Tempo 330 zugelassen ist. Hartmut Mehdorn, seit Dezember 1999 Vorstandsvorsitzender, stellt die Weichen für die Wettbewerbesfähigkeit im Verkehrsmarkt neu. Voraussetzung ist, dass der Nachholbedarf bei den Investitionen nicht vernachlässigt wird. Auch die Phase der Sanierung des Konzerns ist längst nicht abgeschlossen. Die Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn und der „NS Groep N.V.“ werden in das Joint Venture „Railion“ überführt; der Auftakt für neue Kooperationen im europäischen Güterverkehr.

2001 wird das Sanierungs- und Investitionsprogramm fortgeführt. Unter dem Motto "Offensive Bahn" wird unter anderem verstärkt in die Erneuerung des Bestandnetzes und in den Wagenpark investiert. Die Deutsche Bahn, das Verkehrsministerium und das Finanzministerium schreiben die Bundesmittel für die Infrastrukturfinanzierung bis 2003 fest.

2000-2010

2002 übernimmt die Deutsche Bahn die „Stinnes AG“. Mit dem weltweit agierenden Logistiker und seiner Schenker-Gruppe stärkt die Deutsche Bahn ihre Position im Güterverkehr. Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt wird eröffnet. Zum ersten Mal in der Geschichte der Eisenbahn stellen alle europäischen Bahnen gleichzeitig und aufeinander abgestimmt ihre Fahrpläne um. Das „Jahrhunderthochwasser“ verursacht erhebliche Schäden an den Bahnanlagen im Bereich der Elbe und ihrer Zuflüsse.

2003 geht der neue Unternehmensbereich "Transport und Logistik" mit den Geschäftsfeldern „Schenker“, „Freight Logistics“, „Intermodal“ und „Railion“ an den Start. Führungsgesellschaft ist die Stinnes AG. Die „BahnCard“ gibt es als BahnCard 25, 50 und 100. Das Internetangebot unter www.bahn.de wird ausgebaut. BahnCard-Inhaber können in 40 Städten mit ihrer Fahrkarte kostenlos den Nahverkehr zur Weiterfahrt nutzen. Die „DB Netz AG“ nimmt 34 elektronische Stellwerke in Betrieb; so viel wie in keinem Jahr zuvor.

2004 bestätigen – zehn Jahre nach der Gründung der Deutschen Bahn AG – die positiven Umsatz- und betrieblichen Ergebniszahlen den eingeschrittenen Weg eines unternehmerisch geführten, integrierten Konzerns. Höhepunkte des Jahres sind die Inbetriebnahme des Flughafenbahnhofs Köln/Bonn und der Ausbaustrecke Hamburg–Berlin. Die DB-Tochter Schenker investiert verstärkt in den Logistikbereich.

2005 werden die Investitionen in elektronische Stellwerke weiter vorangetrieben. 33 Projekte werden realisiert. Die Grunderneuerung der 50.000 m² großen Dachoberfläche des Frankfurter Hauptbahnhofes wird abgeschlossen. Im Rahmen der Neubau- und Ausbaustrecke Karlsruhe–Basel startete der Bau des Katzenbergtunnels. In Berlin geht mit der erfolgreichen Absenkung der „Bügelbauten“ die Fertigstellung des neuen Hauptbahnhofs in die Endphase. Die Deutsche Bahn verlängert ihre Mobilitätskette und baut ihr „Carsharing“- und „Call a Bike“-Angebot aus. Mit dem Kauf von „BAX Global“ festigt sie ihre Position als international agierender Spediteur und Logistikdienstleister.

2006 ist die Deutsche Bahn nationaler Förderer und offizieller Transport- und Logistikdienstleister der FIFA WM 2006 (TM). Rund 15 Millionen WM-Gäste sind während des vierwöchigen Sportereignisses mit dem Zug unterwegs. Die DB-Tochter Schenker rüstet u.a. die Stadien mit Medientechnik aus. Pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft wird nach acht Jahren Bauzeit der von Meinhard von Gerkan entworfene Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Den Ausbau des weltweiten Transport- und Logistikgeschäfts verfolgt die Deutsche Bahn mit der Integration von Schenker und BAX Global weiter. Das Unternehmen baut seine Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum aus und wird internationaler.

2007 steht weiter im Zeichen der Internationalisierung. Der Personenverkehr weitet sein Netz europaweit aus. Ein wichtiger Baustein hierfür ist die Allianz „RailTeam“, deren Ziel ist es, ein europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz zu etablieren. Auf geöffneten Auslandsmärkten erwirbt die Deutsche Bahn Unternehmen wie die dänische Busgesellschaft „Pan Bus“ und die spanische Güterbahn „Transfesa“. Mit der Übernahme von „Laing Rail Ltd.“ steigt sie in den britischen Schienenpersonenverkehr ein. Im Rahmen der Tarifverhandlungen legen Mitglieder der „Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer“ im Güter- und Personenverkehr für einige Tage die Arbeit nieder. Für Anhänger des „Blauen Dunstes“ beginnen schlechte Zeiten: In Zügen und Bahnhöfen herrscht von nun an Rauchverbot.

2008 entscheiden sich Bundesregierung und Bundestag für eine Teilprivatisierung des Konzerns. Aufgrund der ungünstigen Entwicklung an den weltweiten Börsen wird die für Oktober 2008 geplante Erstnotierung der DB Mobility Logistics AG kurzfristig abgesagt. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen durch die Finanzkrise und die schwankenden Energiepreise steigert das Unternehmen seinen Umsatz auf 33,5 Mrd. Euro. Das Güterverkehrsnetz wird um Kooperationen und Beteiligungen in Norditalien, Dänemark, der Schweiz und Polen erweitert. Die Deutsche Bahn und der Bund schließen eine wichtige Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung. Der Bund verpflichtet sich, für einen längeren Zeitraum jährlich 2,5 Mrd. Euro bereitzustellen. Die Deutsche Bahn sagt 500 Mio. Eigenmittel für Netz, Bahnhöfe und Energieversorgung zu.

2009 ist noch von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise geprägt. Im  Schienengüterverkehr und in der Logistik liegt der Umsatz deutlich unter Vorjahresniveau, im Personenverkehr bleibt er annähernd stabil. Die Investitionen liegen mit 6,5 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau. 2009 ist auch geprägt von technischen Problemen bei der S-Bahn Berlin und den Zügen der ICE 3-Flotte. Die Umweltoffensive „DB Eco Program“ startet: Die Hamburger S-Bahn fährt bereits CO2-frei. DB Schenker Rail bietet auf europäischen Relationen CO2-freie Transporte an. Zum 1. Mai 2009 ernennt der Aufsichtsrat Dr. Rüdiger Grube zum neuen Vorsitzenden des Vorstandes. Er folgt Hartmut Mehdorn, der den Posten fast zehn Jahre innehatte.

2010 genehmigt die Europäische Kommission den Erwerb des britischen Personenverkehrsunternehmens Arriva. Damit ist die DB in 13 europäischen Ländern im Regionalverkehr vertreten. Im Jahr nach der Wirtschaftskrise steigert die DB ihren Umsatz und erreicht fast wieder den Spitzenwert des Jahres 2008. Neue IT-Lösungen verändern den Service und die Reisendeninformation: Statt des ausgedruckten Online-­Tickets kann der Reisende dem Zugbegleiter auch eine MMS auf seinem Handy zeigen, die App DB Navigator wird mehr als eine Million Mal heruntergeladen. Große gesellschaftliche Aufmerksamkeit erregen die Schlichterrunden zum Bauprojekt Stuttgart 21. Im DB Museum in Nürnberg finden mehrere Ausstellungen und Festveranstaltungen statt:
Die Eisenbahn in Deutschland wird 175 Jahre.

Seit 2011 werden bei der DB verstärkt neue Mitarbeiter eingestellt. Denn an Herausforderungen mangelt es nicht, um weiter erfolgreich im Wettbewerb als Mobilitäts- und Logistikdienstleister bestehen zu können.

2011 liegt die Konzentration der DB auf der Verbesserung der Betriebsqualität und Serviceleistungen. Investitionen für den Winterbetrieb, die Modernisierung der ICE 2-Flotte sowie die Bestellung neuer Regionalverkehrszüge und des ICx werden für die Zukunftsfähigkeit der DB sorgen. Dabei wächst das internationale Geschäft weiter. DB Schenker übernimmt den belgische Logistikfirma Jean Heck und DB Arriva gewinnt den Wettbewerb um den Nahverkehr in Stockholm.

2011-2012

2012 fahren 2,7 Milliarden Menschen mit den Zügen und Bussen der DB. Mit Hochdruck wird die Modernisierung der ICE 2 und IC-Flotte vorangetrieben, 29 neue elektronische Stellwerke werden in Betrieb genommen und der Katzenbergtunnel kann eröffnet werden. Der drittlängste Eisenbahntunnel in Deutschland liegt auf dem Güterverkehrskorridor Rotterdam–Genua. Der Vorstand beschließt mit der DB Strategie 2020 die geschäftsziele des Konzerns. Zukünftig werden alle Geschäftsfelder zukünftig an ihrer Leistung für den Kunden, die Umwelt und ihrer Beliebtheit bei den Arbeitnehmern gemessen.

2013 legt das Hochwasser von Elbe, Saale und Donau den Eisenbahnverkehr in einigen Regionen Deutschlands lahm. Vom 10. Juni bis zum 4. November ist die Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover–Berlin regulär nicht befahrbar. In Mainz kann aufgrund von Personalmangel in der Urlaubszeit ein Stellwerk nicht besetzt werden und in Essen stoppt ein einsturzgefährdeter Bergwerkstunnel neben den Gleisen den Verkehr. Doch der Fernverkehr kann im Dezember die ersten ICE 3 der Baureihe 407 übernehmen und bei DB Regio kommen 134 neue Züge des Typs Talent 2 in Einsatz. Neu im Angebot des Fernverkehrs sind IC-Busverbindungen.

2014 werden 12.000 neue Mitarbeiter eingestellt. Die ins Leben gerufene Arbeitgeberkampagne ist ein großer Erfolg. Auch beim Umweltschutz sind wichtige Ziele bereits erreicht: Die Reduzierung der CO2-Emissionen liegt über Plan, der Anteil an erneuerbaren Energien im Bahnstrommix liegt bei 40 Prozent und für den Lärmschutz besonders an Güterwagen wird investiert. Ein durchgehender Containerzug von Hamburg nach Zhengzhou legt die über 10.000 km in 17 Tagen zurück. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer beginnt ihren längsten Streik in der Bahngeschichte.

2015 startet der Personenverkehr seine große Kundenoffensive. Mit attraktiven Sparpreisen kann der Konkurrenz auf der Straße Paroli geboten werden. Vor allem aber sollen dank mehr und bessere Verbindungen mehr Fahrgäste für die Bahn geworben werden, auch um den CO2-Austoss in Deutschland deutlich zu verringern. Mit dem Einsatz von Sonderzügen gelingt es die im Spätsommer dramatisch ansteigenden Zahl der Kriegsflüchtlinge in Deutschland zu verteilen. Der Güterverkehr bietet eine neue Bahnverbindung für Container über den KombiTerminal Burghausen von Österreich bis zum Hafen Rotterdam. DB Arriva gewinnt in Großbritannien die Ausschreibung für die nordenglischen Bahnverkehre.

2016 beginnt das Qualitätsprogramm „Zukunft Bahn“. Investiert wird in Maßnahmen, die mehr Komfort und Sauberkeit in den Bahnhöfen, bessere Pünktlichkeitswerte und Kundeninformationssysteme versprechen. DB Regio und die Fahrzeuginstandhaltung beteiligen sich an Forschungsprojekten zu Hybridantieben und der Fernverkehr stellt offiziell den ersten ICE 4 vor. DB Schenker erhält den Zuschlag von Daimler zur Abwicklung der Teile- und Komponentenlogistik im Duisburger Hafen. Bei den Tarifverhandlungen gehen Gewerkschaften und Arbeitgeber neue Wege. Zum ersten Mal in der Geschichte deutscher Tarifverträge können Mitarbeiter der DB ab 2018 zwischen mehr Geld oder mehr Urlaub wählen.

2017 tritt Rüdiger Grube als Bahnchef zurück, zum neuen Vorstandsvorsitzenden wird Richard Lutz ernannt. In Münster öffnet das neue Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs. Immer mehr Fahrkarten werden über die digitalen Vertriebskanäle erworben. Infolge eines Wassereinbruchs bei Tunnelarbeiten muss die Rheintalstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden für sieben Wochen gesperrt werden. Im Dezember wird die neue Verbindung Berlin-München über die Neubaustrecke eröffnet. Das größte Bahnbauprojekt Deutschlands nach der Wiedervereinigung, die VDE 8, ist damit fast vollendet. Vier Stunden dauert die Fahrt zwischen München und Berlin nur noch.

2018 ist die neuen Schnellfahrstrecke Berlin-München ist die Bahn das Verkehrsmittel Nummer eins zwischen beiden Metropolen. Rund 4,9 Millionen Reisende sind auf der Strecke unterwegs, doppelt so viele wie im Vorjahr. Die insgesamt wachsende Zahl der Reisenden macht allerdings auch Kapazitätsprobleme deutlich. Die „Agenda für eine bessere Bahn“ sieht Investitionen in die Infrastruktur, die Fahrzeugflotte, digitale Produkte und Projekte sowie beim Personal vor. So konnten erstmals in der Konzerngeschichte 24.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden.