Artikel: Drei neue Akku-Fahrzeuge stärken den Regionalverkehr im Nordwesthessen-Netz: NVV, RMV und NWL starten Testbetrieb mit der DB RegioNetz Kurhessenbahn
Elektrisiert unterwegs: Die drei Aufgabenträger - der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV), der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) - modernisieren ihr Regionalbahnangebot um drei neue Akku-Triebfahrzeuge, die von der DB RegioNetz Kurhessenbahn eingesetzt werden.
Akku statt Diesel
Die sogenannten BEMU-Fahrzeuge (Battery Electric Multiple Units) werden für einen Zeitraum von fünf Jahren im Testbetrieb zunächst auf den Strecken des Nordwesthessen-Netzes eingesetzt und ersetzen während dieser Zeit drei dieselbetriebene Triebfahrzeuge. Die BEMU-Fahrzeuge beziehen ihre Energie aus leistungsfähigen Akkus und benötigen keine fossilen Kraftstoffe. Während der Fahrt können sie auf elektrifizierten Streckenabschnitten über die Oberleitung geladen werden. Auf nicht-elektrifizierten Strecken ermöglichen die Akkus den Betrieb.
Unterwegs auf den Regionalzuglinien RE39, RB38, RB39 und RB94
Das Verkehrsunternehmen DB RegioNetz Kurhessenbahn setzt die neuen BEMU-Fahrzeuge zunächst überwiegend auf den Linien RE39 und RB39 von Kassel nach Bad Wildungen (NVV) ein. Schrittweise sollen die Fahrzeuge dann auf ausgewählten Leistungen der Linie RB38 von Kassel nach Schwalmstadt sowie auf der Linie RB94 von Marburg (RMV) nach Bad Laasphe (NWL) zum Einsatz kommen. Ein Einsatz der Fahrzeuge auf weiteren NVV-, RMV- und NWL-Linien des Nordwesthessen-Netzes ist ebenfalls geplant. Die drei neuen Fahrzeuge werden ab Herbst dieses Jahres sukzessive in den regulären Betrieb integriert.
Höchster Fahrgastkomfort
Neben dem Akku-Betrieb bieten die neuen Fahrzeuge zahlreiche Vorteile für die Fahrgäste. Der großzügig gestaltete Innenraum verfügt über eine große Nutzfläche - ebenso im Mehrzweckbereich für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle. Aufgrund des freien Blicks durch das Fahrzeug und auf die Türen entsteht ein offenes Raumgefühl, das zugleich das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste stärkt. Der barrierefreie, großzügige Sanitärbereich ist mit einem ausklappbaren Wickeltisch ausgestattet und ein Ganzkörper-Spiegel rundet den Raum ab.
Tische und praktische Lademöglichkeiten ermöglichen zeitgemäßes Reisen: Smartphones und andere mobile Geräte können einfach und bequem direkt am Sitzplatz geladen werden. Auch akustisch machen sich die neuen Fahrzeuge bemerkbar – beziehungsweise das Gegenteil ist der Fall: Im Vergleich zu den Dieseltriebfahrzeugen sind die BEMU-Fahrzeuge deutlich leiser für Fahrgäste im Fahrzeug sowie an den Gleisen, denn es gibt weder Abgase noch laute Motorengeräusche.
Der Mireo Plus B im Vergleich
Die neuen BEMU-Fahrzeuge des Typs „Mireo Plus B“ von Siemens bieten mit einer Länge von 46,5 Metern und 122 Sitzplätzen mehr Platz als die bisherigen dieselbetriebenen Triebfahrzeuge, die auf 41,7 Metern 118 Sitzplätze aufweisen. Gleichzeitig sorgt die deutlich höhere Antriebsleistung der Akku-Züge von 1700 Kilowatt (kW) für eine bessere Beschleunigung als die 630 kW-Leistung der Dieselfahrzeuge. Besonders effizient sind sie durch die Rückgewinnung von Bremsenergie während der Fahrt, die anschließend wieder für den Antrieb genutzt werden kann. So verbindet die neue Generation der Fahrzeuge mehr Leistung mit mehr Komfort und einem effizienteren Betrieb.
Testbetrieb über fünf Jahre
Der Einsatz der drei neuen BEMU-Fahrzeuge ist auf fünf Jahre angelegt, um den Einsatz der Fahrzeuge auf der bestehenden Infrastruktur zu testen und um die Ausgestaltung der Ladeinfrastruktur zu prüfen. Langfristig sollen Akku-Fahrzeuge dazu beitragen, den Dieselbetrieb im Regionalverkehr abzulösen.
Weitere Informationen zu den neuen Fahrzeugen, zu den Strecken, auf denen diese eingesetzt werden und Details zur Ausstattung gibt es auf der Website des NVV: nvv.de/elektrisch-unterwegs
Das sagen NVV, RMV, NWL, KHB, DB Regio und das Land Hessen
Staatsminister Kaweh Mansoori sagt: „Nicht jede Bahnstrecke lässt sich von heute auf morgen vollständig mit Oberleitungen elektrifizieren. Deshalb ist es richtig, die vorhandene Infrastruktur intelligent zu nutzen und dort mit Batteriezügen Diesel zu ersetzen, wo das schon heute möglich ist. Das Projekt in Nordwesthessen verbindet Klimaschutz mit Pragmatismus: Wir senken Emissionen und sammeln zugleich wichtige Erfahrungen dafür, wo wir die Infrastruktur künftig gezielt weiterentwickeln müssen.“
“Mit dem Einsatz der drei neuen Fahrzeuge wird ein weiterer Schritt hin zu einem modernen Nahverkehr vollzogen. Gleichzeitig bietet der fünfjährige Testbetrieb die Chance, wertvolle Erfahrungen mit der neuen Technologie zu sammeln und damit die Weichen für einen zukunftsfähigen Schienenverkehr in unserer Region zu stellen”, sagt NVV-Geschäftsführer Marian Volmer.
André Kavai, RMV-Geschäftsführer, sagt: „Mit Batteriezügen sammeln wir im RMV seit Beginn dieses Jahres bereits gute erste Erfahrungen. Im Kurhessennetz gehen wir nun gemeinsam für den ÖPNV in Hessen den nächsten Schritt: Über fünf Jahre wollen wir erproben, wie sich die BEMU-Fahrzeuge zuverlässig und wirtschaftlich im Regelbetrieb einsetzen lassen. Unser Ziel ist ein attraktiver ÖPNV – und dazu gehört auch, den Schienenverkehr weiter emissionsärmer zu machen und den Dieselbetrieb Schritt für Schritt abzulösen.“
“Wir wollen neue Technologien nicht nur diskutieren, sondern alltagstauglich auf die Schiene bringen – mit anwendungsorientierter Forschung im besten Sinne. Denn nur so können wir uns für die Zukunft wirtschaftlicher, moderner und kundengerechter aufstellen. Gleichzeitig senden wir ein starkes Signal an die Menschen in der Region: Innovation findet nicht nur in den Metropolen statt. Auch im ländlichen Raum entstehen echte Lösungen für eine nachhaltige Mobilität”, sagt Christiane Auffermann, Vorständin des NWL.
Nicole Berlin, Vorständin Schiene DB Regio sagt: „Gerade im Flächennetz ist die teure und aufwendige Elektrifizierung der Strecken eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten. Die Akkuzüge sind mit Blick auf diese Strecken eine echte Chance. Denn nur mit wenigen Oberleitungsinseln zum Aufladen der Akkus können wir viel Fahrstrecke abdecken. Mein Dank geht an die Aufgabenträger für ihre Bereitschaft, in dieses Pilotprojekt zu investieren. Nur so können wir gemeinsam wertvolle Erfahrungen mit der Technologie sammeln, von denen am Ende der Nahverkehr in ganz Deutschland profitiert.“
„Für uns als Kurhessenbahn ist jetzt vor allem wichtig, dass aus der neuen Technik verlässlicher Alltag wird. Dafür haben unsere Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Monaten die betrieblichen und technischen Voraussetzungen geschaffen. Darauf bauen wir jetzt weiter auf und treiben die Umsetzung mit großem Engagement voran. Wir freuen uns darauf, die neuen Fahrzeuge bald auf unseren Strecken einzusetzen und unseren Fahrgästen die Vorteile moderner, leiserer und lokal emissionsfreier Mobilität unmittelbar erlebbar zu machen“, sagt Jens Wrabletz, Sprecher der DB RegioNetz Kurhessenbahn.