Evelyn Palla stellt Aufsichtsrat neue DB-Strategie vor

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25. Juni 2026, 14:00 Uhr
DB-Chefin legt Marschroute für die nächsten zehn Jahre fest: Realismus statt unerreichbarer Ziele • Abkehr von der „Starken Schiene“ • Evelyn Palla: Wir konzentrieren uns auf das, was unmittelbar den Kunden und dem Geschäft hilft • Grundlage für Erfolg: eine andere Leistungskultur – Umbau wirkt   

DB-Chefin Evelyn Palla hat im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG ihre Strategie für die nächsten zehn Jahre vorgestellt. Die Bahnchefin: „Die DB befindet sich im größten Wandel seit Jahren. Die Marschroute ist klar. Wir konzentrieren uns radikal auf das, wofür wir da sind: auf Eisenbahn und das Reiseerlebnis der Kunden. Wir verabschieden uns von unerreichbaren Versprechen. Wir setzen auf realistische Ziele und Fakten.“

Priorität haben dabei Verlässlichkeit, nachgewiesene betriebliche Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit. Ziel ist, in den nächsten Jahren eine leistungsfähige Bahn aufzubauen.

Die DB zieht damit einen Schlussstrich unter die frühere Strategie „Starke Schiene“. Hauptsächlich wachstumsorientierte Ziele wie die Verdoppelung der Reisendenzahlen haben sich angesichts veränderter Rahmenbedingungen als nicht haltbar erwiesen. Voraussetzung für den Erfolg ist der aktuell laufende konsequente Konzernumbau, ein dezentrales Unternehmertum und ein grundlegender Kulturwandel. Evelyn Palla setzt dabei auf einen Paradigmenwandel, insbesondere bei der Kultur der DB: „Für den Erfolg brauchen wir eine Leistungskultur, in der sich Leistung und Verantwortung lohnen.“

Grundprinzip ist anders als früher dezentrales Handeln. Die konkreten Inhalte und Maßnahmen werden in den einzelnen Geschäftsfeldern verantwortet. Die Konzernleitung gibt übergreifende Kennzahlen und Steuerungsmechanismen vor. 

Der Weg zum Wiederaufbau der Leistungsfähigkeit erfolgt schrittweise in drei Phasen:

  • 2026 ist das Jahr des Umbaus. In diesem Jahr werden die Grundlagen für die komplette Neuausrichtung der DB geschaffen.
  • Bis 2030 saniert die DB InfraGO das Schienennetz und stabilisiert den Betrieb spürbar. Alle Geschäfte und Bereiche stellen sich eigenverantwortlich wettbewerbsfähig und wirtschaftlich auf.
  • 2035, im Jahr des 200-jährigen Eisenbahn-Jubiläums, ist der Sanierungsmarathon weitgehend abgeschlossen. Die DB schafft mit Unterstützung von Politik und Branche eine Pünktlichkeit im Fernverkehr von 80 Prozent.

DB-Chefin Evelyn Palla: „Eine Bahn, die stolz macht, ist keine Utopie, sondern Anspruch und Ansporn für jeden Tag. Die DB macht ihre Hausaufgaben. Dafür brauchen wir auch künftig eine auskömmliche Finanzierung und passende Rahmenbedingungen. Gemeinsam mit Bund und Branche bekommen wir eine leistungsfähige Eisenbahn hin.“

Der neue Kurs des DB-Vorstands zeigt bereits Wirkung.

  • Die Konzernleitung wird zu einer schlanken und schlagkräftigen Holding umgebaut. Die Geschäftsfelder werden gestärkt. Die internen Dienstleister haben ebenfalls nur ein Ziel: das Geschäft für den Kunden erfolgreich zu machen. Der Konzernumbau führt zu dauerhaften Einsparungen von mehr als 500 Millionen Euro jährlich bei Sach- und Personalkosten.
  • Auch wirtschaftlich greifen Pallas Neustart- und Umbau-Maßnahmen. Die DB ist Richtung schwarze Null unterwegs. Erstmals seit Jahren wird das Ergebnis nach Steuern der DB ab 2026 positiv sein. Die DB erwartet, dass sich das operative Ergebnis des Konzerns bis 2030 um über 1 Milliarde Euro auf 1,7 Milliarden Euro verbessert.
  • Die Sofortprogramme für mehr Sauberkeit und Sicherheit stehen für den neuen Ansatz von Evelyn Palla: Spürbare Verbesserungen im Alltag der Kunden. Und die Sofortprogramme wirken. Die Kundenzufriedenheit ist in den ersten Monaten 2026 deutlich gestiegen. Sauberkeit, Sicherheit und bessere Informationen werden künftig zur Regel.

Einzelheiten zu den drei Phasen der Strategie finden Sie im Folgenden.

Transformation der DB in drei Phasen bis 2035: „Eine Bahn, die stolz macht“: 

Quelle: DB AG

Phase 1 | 2026: Eine Bahn, die sich neu aufstellt.

Die Konzernstruktur wird verschlankt, ein Kulturwandel hin zu einer Leistungskultur eingeleitet und alles auf den Kundenfokus und ein besseres Reiseerlebnis ausgerichtet – trotz einer Pünktlichkeit, die nicht zufriedenstellt.

Der Umbau der Konzernstruktur und Personalabbau werden zum 1. Januar 2027 weitgehend abgeschlossen sein. Mit einer überdimensionierten Konzernleitung ist dann genauso Schluss wie mit überwiegend aus der Zentrale geführten Geschäftsfeldern. Was dem Kunden nutzt, wird in die Geschäftsfelder verlagert. Die Konzernleitung wird zu einer schlanken und schlagkräftigen Holding. Die internen Dienstleister werden gebündelt. Sie orientieren sich ausschließlich am Erfolg der Geschäftsfelder und an marktfähigen Preisen. Der Konzernumbau führt ab 2028 zu Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro pro Jahr bei Sach- und Personalkosten.

Schlüssel für den Erfolg auf allen Ebenen ist ein grundlegender Kulturwandel: Leistung und Zielerreichung sind Leitschnur. Dafür wurden Führungsebenen überall rausgenommen und klare Verantwortlichkeiten gestärkt. 

Der neue Kundenfokus wirkt. Da die Sanierung des Schienennetzes dauert, haben nach Amtsantritt der neuen DB-Chefin kurzfristig wirkende Sofortprogramme für mehr Sauberkeit, mehr Komfort und mehr Sicherheit gesorgt. An 1.400 Bahnhöfen kamen Reinigungsteams zum Einsatz. 220 Unterwegsreiniger reinigten die Fernzüge. In Fernverkehrszügen waren allein bis Mai 2026 bei rund 87 Prozent der Zugfahrten in der Bordgastronomie die Geräte störungsfrei. An 35 Schwerpunktbahnhöfen sorgt mit Bodycams und Helmen ausgestattetes Personal dafür, dass Reisende sich wohler fühlen. Die Kundenzufriedenheit im Fernverkehr ist in den ersten fünf Monaten auf ein 5-Jahres-Hoch gestiegen (Schulnote in 2026: 2,55, 2022: 2,7).

Phase 2 | 2027-2030: Eine Bahn, die hält, was sie verspricht.

In den Jahren bis 2030 setzen die DB InfraGO und die Eisenbahn-Geschäftsfelder klare Handlungsfelder um: Sanierung, Effizienz und attraktive Kundenangebote.

2027 bis 2030 setzen die DB InfraGO und die Geschäftsfelder einen verlässlichen Fahrplan, betriebliche Qualität und bessere Kundenangebote um. Ihre wirtschaftliche Sanierung wird abgeschlossen. Der Fernverkehr bereitet sich auf einen größeren Wettbewerb vor. Die DB erwartet, dass der Marktanteil künftig stabil bei rund 85 Prozent liegt (heute rund 95 Prozent).

Bis 2030 schafft die DB in der Infrastruktur die Trendwende in der betrieblichen Qualität und stabilisiert die Pünktlichkeit im Fern- und Regionalverkehr. Das heißt bis 2030 konkret: Das Netz wird mit Unterstützung von Politik und Branche fit gemacht, sodass 69 bis 72 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr und 89,5 bis 91,5 Prozent Pünktlichkeit im Regionalverkehr erreichbar sind. Dafür saniert die DB InfraGO in den nächsten vier Jahren 24 Korridore und 2.500 Kilometer Streckennetz. 

Die DB InfraGO legt die Grundlagen für eine digitalisierte Infrastruktur und baut 200 weitere ETCS-fähige Stellwerke. Nach einer ehrlichen Bilanz bei der Digitalisierung steht aber auch fest: Jetzt werden zunächst Grundlagen geschaffen. Die Ziele der Digitalen Schiene waren nicht realistisch. So sollte bis 2035 ein digitales, vollautomatisiertes Bahnsystem umgesetzt sein. Solange noch alte Stellwerke aus der Kaiserzeit existieren, müssen Stellwerke Schritt für Schritt ersetzt werden. 

Die DB InfraGO setzt bis 2030 Maßnahmen für eine bessere Qualität um, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen realisierbar sind. Beispiele sind konsequentes Bauen in festgelegten Zeitfenstern, kürzere Wartezeiten durch digitale Übermittlung von Informationen ans Betriebspersonal und mehr Einsatz von KI bei der Planung von Zugfahrten.

Klar ist: Es braucht Unterstützung aus Bund und Branche: Finanzierungssicherheit für das Bestandsnetz und regulatorische Rahmenbedingungen. Dazu gehört, hochbelastete Strecken und Knoten zu entlasten.

Der Umbau der DB Fernverkehr läuft. Auch hier werden Hierarchieebenen abgebaut und Aufgaben gestrichen, um die Organisation effizienter zu steuern.

In Phase 2 geht es darum, den vollen Kundenfokus auszubauen. Nach den kurzfristigen Sofortprogrammen in diesem Jahr verbessert der Fernverkehr bis 2030 die Sauberkeit dauerhaft – durch mehr Reinigungskräfte, mobile Instandhaltungsteams und höhere Wartungsintervalle. Kunden erhalten im Zug und am Bahnhof verlässlichere Informationen. Das Buchen im weiterentwickelten DB Navigator wird kundenfreundlicher. Der boomende internationale Fernverkehr wird weiter ausgebaut.

Der Regionalverkehr der DB ist weiterhin im Aufwind. Der Marktanteil auf der Schiene liegt aktuell bei 59 Prozent. Diese Position auf dem Markt gilt es bis 2030 zu halten. Das Ressort Straße, also das Busgeschäft, steht nach der Sanierung wirtschaftlich gut da. Die Zugausfälle, die durch DB Regio selbst verursacht werden, will der Regionalverkehr der DB weiter absenken – auf unter 1 Prozent.

Die Sanierung der DB Cargo läuft. Der Weg ist lang und mit harten Einschnitten verbunden. Das Zielbild 2030 nach einer Sanierung ist klar: DB Cargo wird ein starker europäischer Bahnlogistiker und damit Rückgrat für die Wirtschaft. Fakt ist aber: Der Einzelwagenverkehr braucht eine auskömmliche Förderung. Dafür braucht  DB Cargo den Bund. Denn: Der Einzelwagenverkehr ist für die Sanierung der Güterverkehrstochter elementar. Dieser macht 77 Prozent der Cargo-Züge und 44 Prozent der Erlöse aus. 

Die Basis für eine wieder leistungsfähige Bahn wird in den Jahren bis 2030 geschaffen. 

Phase 3 | 2031-2035: Eine Bahn, die stolz macht.

Bis 2035, dem Jahr des 200-jährigen Jubiläums der Eisenbahn in Deutschland, ist der Sanierungsmarathon abgeschlossen. Unser Angebot überzeugtFahrgäste und Güterverkehrskunden.Der Konzern ist leistungsfähig und wirtschaftlich stark.