Neue Einsatzkonzepte, Schutzausrüstung, KI – Sicherheitsupdate für den Regionalverkehr

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08. Juni 2026, 11:15 Uhr
Frankfurt/Main
Pilotprojekte und Bodycams zeigen Wirkung • Hieb- und Stichschutzwesten für Kundenbetreuer ab Juli • Einsatz von KI in Prüfung

Harmen van Zijderveld, Vorstandsvorsitzender der DB Regio AG, informierte heute gemeinsam mit Ralf Damde, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der DB Regio AG am Frankfurter Hauptbahnhof zum aktuellen Stand der Sicherheitsmaßnahmen im Regionalverkehr der Deutschen Bahn. 

Harmen van Zijderveld: „Angst hat in unseren Zügen keinen Platz. Wir können die gesellschaftliche Entwicklung nicht ändern, aber dafür sorgen, dass unsere Züge Orte der Sicherheit und des Respekts im öffentlichen Raum sind – für Mitarbeitende und Fahrgäste.“ 

Ralf Damde: „Im Jahr 2025 gab es allein bei der DB über 3.000 Übergriffe auf Mitarbeitende. Der tödliche Angriff auf unseren Kollegen Serkan Çalar während der Fahrausweiskontrolle ist Ausdruck dieser hemmungslosen Gewalt. Wir alle sind gefordert, dieser zu begegnen.“

DB Regio setzt eine Vielzahl von Sicherheitsmaßnahmen ein, die der Prävention, der schnellen Hilfe im Ereignisfall und der Unterstützung der Strafverfolgung dienen:

Richtungsweisende Pilotprojekte 

Im bundesweiten Regionalverkehr gingen die körperlichen Übergriffe im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um sieben Prozent zurück. Zugleich zeigt sich regional ein differenziertes Bild. In der Region Mitte, also in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und im nordbadischen Raum, stiegen körperliche Übergriffe beispielsweise im selben Zeitraum um 15 Prozent. Auch dank einer Übereinkunft mit den Aufgabenträgern und Verkehrsverbünden sowie in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen verprobt die DB genau hier neue Sicherheitskonzepte, die schnell mehr Sicherheit für Fahrgäste und Mitarbeitende schaffen. 

Dazu gehören die sogenannte 1/1-Begleitung, bei der Kundenbetreuer:innen durch eine weitere Person mit Sicherheitskenntnissen begleitet werden, sowie Doppelbesetzungen im Kundenservice. „Beide Ansätze haben gezeigt, dass konflikt- und emotionsgeladene Situationen besser bewältigt werden können und bereit für den Einsatz über die Region hinaus sind“, so van Zijderveld. Jetzt gilt es, die Konzepte aus der Pilotphase in die Verkehrsverträge mit den Aufgabenträgern, die die Verkehrsleistungen bestellen, zu integrieren und so auch langfristig abzusichern. Damde unterstreicht: „Das im RMV-Gebiet umgesetzte Pilotprojekt ‚Tandemstreife‘ hat gezeigt, dass das Einsetzen von Sicherheitsmitarbeitenden an der Seite unserer Kundenbetreuer:innen der Schritt in die richtige Richtung ist. Das Projekt darf Ende Juni nicht enden, vielmehr ist es in die Regelorganisation zu überführen und muss unter der Federführung der EVU laufen.“

Neu hinzu kommt ab Juli ein Trageversuch mit stichfesten Westen zur Erweiterung der persönliche Schutzausstattung. Zu dem erweiterte DB Regio das verpflichtende Deeskalationstraining bundesweit um das Modul „Selbstbehauptung im Zug“, das auch den Mitarbeitenden in der Region Mitte als Wahlmöglichkeit zur Verfügung steht und großen Zuspruch findet.

Bodycams zeigen Wirkung

Bodycams haben sich als wirksame Präventionsmaßnahme bewährt. “Von über 500 Vorfällen, bei denen die Bodycams eingeschaltet werden mussten, kam es lediglich in einem Fall zu einem schweren Übergriff”, so van Zijderveld Das Tragen der Bodycam ist für die Mitarbeiter:innen bei DB Regio freiwillig. Neben den Fakten, die für sich sprechen, will der Konzern mit verpflichtenden Schulungen noch mehr Kolleg:innen vom Nutzen der Bodycam überzeugen. Insgesamt konnte so die Ausstattungsquote seit Februar auf 1.750 deutlich erhöht werden. Bis August sollen alle Mitarbeitende geschult sein. 

Mit Blick auf die Verfügbarkeit macht van Zijderveld klar: „Alle, die eine Bodycam haben möchten, erhalten diese auch.“  Aktuell wird zudem daran gearbeitet, dass künftig neben Bild- auch Ton-Aufnahmen möglich werden, wodurch sowohl die präventive Wirkung als auch die Aufklärung von Straftaten deutlich verbessert wird. „Wir sind zuversichtlich, damit ab Herbst starten zu können.“ 

Damde ergänzt: „Die Ton-Aufnahme ist neben der Bild-Aufnahme ein Muss, die Bodycam ist mit dem Prio-Ruf zu verbinden, der Prio-Ruf und die Sicherheits-App sind auf die Polizeien des Bundes und der Länder sowie die Sicherheitsdienste zu erweitern. Interessierte Fahrgäste können sich die Sicherheits-App im Sinne der Zivilcourage selbst installieren.“

KI-Einsatz in Prüfung

Neben der Einführung von Tonaufzeichnungen bei Aktivierung der Bodycam und der Vernetzung von Prio-Ruf (Alarmsystem per Knopfdruck am Armband) und Bodycam, wird derzeit auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) geprüft. Künftig könnten die Aufnahmen der Kameras in den Zügen in Echtzeit an die Verkehrszentrale weitergeleitet werden. Die KI wertet die Aufnahmen dann aus und meldet Konflikte, etwa einen Streit unter Fahrgästen oder Randalierer. Hierdurch kann die Reaktionsgeschwindigkeit deutlich erhöht werden und im Zweifelsfall können schnell Einsatzkräfte alarmiert werden. 

Van Zijderveld: „Dass der KI-Einsatz technisch und datenschutzrechtlich möglich ist, zeigt ein Bremer Pilotprojekt. Da wollen wir anknüpfen. Für unsere Mitarbeitenden wäre das eine enorme Unterstützung mit großer präventiver Wirkung.“

„Der KI-Einsatz steht am Anfang seiner Entwicklung und ist noch fehleranfällig. Alles, was unsere Kolleg:innen schützt, ist aber ein probates Mittel“, so Damde.

Hinweis an Redaktionen: Unter folgendem Link finden Sie Fotos der Veranstaltung: https://mediathek.deutschebahn.com/marsDB/ko/de/8777604