Artikel: Wie die DB InfraGO Stabilität und Pünktlichkeit zurückgewinnen will
Deutschland braucht die Schiene – heute mehr denn je.
Die Eisenbahn ist der Stabilitätsanker für die Mobilität in Deutschland, gerade in herausfordernden Zeiten. Sie verbindet Menschen, garantiert Versorgungssicherheit und sorgt dafür, dass die Wirtschaft läuft, auch wenn Energiepreise steigen.
Um diesen Stabilitätsanker zu erhalten und auszubauen, investieren wir gemeinsam mit dem Bund in nie dagewesenem Umfang: über 20 Milliarden Euro jährlich. Wir modernisieren das Netz grundlegend — nicht nur um einzelne Schwachstellen zu beseitigen, sondern um eine verlässliche Basis für die Zukunft zu schaffen.
Das ist ein Kraftakt, der Ausdauer verlangt. Aber nur so können wir gewährleisten, dass die Bahn auch in den nächsten Jahrzehnten der Stabilitätsgarant für Deutschland bleibt.
3 Fragen an Dr. Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender DB InfraGO AG:
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Hier können Sie das Video mit Dr. Philipp Nagl zur redaktionellen Nutzung herunterladen
Seit der Bahnreform 1994 ist der Personenverkehr um 46 Prozent und der Güterverkehr sogar um 91 Prozent gestiegen, ohne dass das Netz mitgewachsen ist. Die Folge ist ein hochbelastetes, zum Teil überlastetes Netz. Und das spüren wir alle. Pünktlichkeit und Qualität sind deutlich hinter unseren eigenen Ansprüchen.
Um den Betrieb dennoch zu stabilisieren, ergreift die DB InfraGO verschiedene Gegensteuerungsmaßnahmen. Fahren und Bauen sollen künftig deutlich besser in Einklang gebracht werden. Dafür führen die Expert:innen sowohl in der Disposition verschiedene Maßnahmen ein wie auch im Management von Baustellen.
Fahren: Verfügbarkeit und Betrieb der Infrastruktur
DB InfraGO setzt unter anderem mit betrieblichen fahrplanerischen Maßnahmen wie dem digitalen Befehl, Flexabfahrten und Pufferzeiten um, damit Reisende und Verkehrsunternehmen zügig einen stabileren Betrieb und eine verbesserte Pünktlichkeit erleben.
Digitaler Befehl
Der digitale Befehl im Bahnbetrieb beendet die Zettelwirtschaft im Stellwerk und in den Führerständen der Züge. Er ist deutlich schneller als das bisherige Prozedere und trägt dazu bei, dass sich weniger Verspätungsminuten aufbauen.
Im Video kurz erklärt: Der digitale Befehl
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Pufferminute, Flex-Abfahrten und Jokergleise
Bauen: Sanierung und Instandhaltung des Hochleistungs- und Flächennetzes
Die Sanierung des Schienennetzes ist der Schlüssel für mehr Qualität im Betrieb. Die DB InfraGO plant im laufenden Jahr gemeinsam mit dem Bund Bruttoinvestitionen in Höhe von mehr als 23 Milliarden Euro in das Schienennetz und die Bahnhöfe. So wird der Bau im Bahnnetz 2026 weiter deutlich an Fahrt aufnehmen: Mit mehr als 28.000 Baustellen steht ein Jahr intensiver Arbeiten an Schienen, Stellwerken und weiterer Infrastruktur an. Die Vielzahl der Maßnahmen zeigt, wie umfassend die Modernisierung des Netzes ausfällt – und wie wichtig es ist, Bauarbeiten und Zugbetrieb eng aufeinander abzustimmen, damit der Verkehr trotz aller Einschränkungen möglichst zuverlässig weiterlaufen kann.
Korridorsanierung hochbelasteter Streckenabschnitte
Die DB InfraGO bündelt in den kommenden Jahren das Baugeschehen auf 40 hochbelasteten Strecken im deutschen Schienennetz. Ziel ist es, den Zustand von Netz und Bahnhöfen innerhalb weniger Monate über alle Gewerke hinweg deutlich zu verbessern und die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur zu erhöhen. Auf diese Weise können Synergien genutzt und die Einschränkungen für Reisende und Güterverkehrsunternehmen im Vergleich zum Bauen bei laufendem Zugbetrieb deutlich begrenzt werden.
In der Vergangenheit erfolgten entsprechende Sanierungsarbeiten in der Regel unter dem rollenden Rad, d.h. bei laufendem Zugbetrieb. Immer wieder wurden die Strecken gesperrt, etwa für die Erneuerung von Oberleitungen, Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik oder an den Stationen. Die Einschränkungen für Reisende und Güterverkehrsunternehmen zogen sich oft über viele Jahre hin. Mit der Korridorsanierung hat sich das Baukonzept für hochbelastete Strecken fundamental verändert. Saniert wird nicht mehr nach einzelnen Gewerken und über viele Jahre gestreckt, sondern innerhalb einer einzigen mehrmonatigen Sperrung komplett und aus einem Guss. Alle notwendigen Baumaßnahmen auf den jeweiligen Abschnitten werden gebündelt und erfolgen gleichzeitig. Die pünktlichkeitsrelevanten Gewerke, wie Gleise, Weichen, Signale und Stellwerke, stehen dabei besonders im Fokus. Statt die bisherige Anlage 1:1 zu erneuern, verbessern wir die Anlage und sorgen so für mehr Leistungsfähigkeit – sowohl für den Regelbetrieb als auch im Störungsfall. Verkehrsstationen werden ebenfalls modernisiert, so dass Reisende nach der Sperrung von neuwertigen Bahnanlagen profitieren.
Diese mehrmonatige Sperrung ist für Reisende und Güterverkehrskunden anstrengend – auch wenn wir umfangreiche Ersatzkonzepte und einen qualitativ hochwertigen Ersatzverkehr planen. Aber dafür haben wir danach eine zuverlässige Infrastruktur mit deutlich weniger Störungen und über viele Jahre Baufreiheit!
Dieses Konzept hat auch weitere positive Effekte:
- Insgesamt ist der Sperrzeitbedarf deutlich geringer als bei wiederkehrenden Arbeiten für unterschiedliche Gewerke
- Ein stabiler Zustand über mehrere Monate auf den sich Verkehrsunternehmen und Reisende einstellen können.
- Gute und effiziente Einsatzmöglichkeiten für Fachpersonal und Maschinen rund um die Uhr.
Bauen im Takt
Die Schieneninfrastruktur der Deutschen Bahn befindet sich in einem Jahrzehnt des Bauens. Durch fehlende Investitionen in den vergangenen Jahren sind die Anlagen in einem Maße gealtert, dass nur ein schnelles und gebündeltes Bauen diese Überalterung aufhalten kann. Denn die sehr hohe Anzahl an Baustellen, die zum Teil auch kurzfristig eingeplant werden mussten, haben sich negativ auf die Pünktlichkeit ausgewirkt. Damit die Sanierung der Infrastruktur und gleichzeitig die Stabilisierung des Fahrplans gelingen, hat DB InfraGO daher ein neues Bau- und Instandhaltungsregime - das Bauen im Takt - eingeführt.
Moderne Stellwerke
Moderne Stellwerke und Bediensysteme sind das Herzstück für einen verlässlichen und belastbaren Bahnbetrieb. Aber: Die Hälfte der 4.000 Stellwerke stammt noch aus dem Vor-Computer-Zeitalter. Deshalb hat sich die DB InfraGO vorgenommen, bis Ende kommenden Jahres 200 Altstellwerke zu erneuern. Hier müssen sowohl wir als DB InfraGO als auch die Industrie Kompetenzen für Planung und Prüfung aufbauen und gleichzeitig Prozesse weiter standardisieren, um effizienter zu werden.
Ab Sommer 2026 setzt die DB InfraGO eine zentrale Programmsteuerung ein, um den Hochlauf und die Inbetriebnahme von Stellwerksprojekten abzusichern. Im Fokus stehen dabei:
- Bei der DB InfraGO steuert ab Sommer 2026 eine zentrale Programmsteuerung den Hochlauf aller Stellwerksprojekte.
- Das Gesamtportfolio - Bestandsnetz, Korridorsanierung, Aus- und Neubau - wird priorisiert und belastbar gereiht
- … daran angepasst: Kapazitäten von Plan- und Abnahmeprüfern.
- Strategisches Lieferantenmanagement stellt Kapazität, Lieferfähigkeit und Leistungsqualität der Lieferanten sicher
- Dieser einheitliche Prozess reduziert Durchlaufzeiten und Prüfschleifen
Der DB InfraGO-Zustandsbericht 2025 zeigt, dass sich die Investitionen lohnen
Der Zustand des Schienennetzes stabilisiert sich. Das zeigen die Daten des InfraGO-Zustandsberichts für das Jahr 2025. Die Zustandsnote für das gesamte Schienennetz in Deutschland beträgt im Mittel 3,00 und liegt auf Vorjahresniveau. Damit scheint der langjährige Abwärtstrend gestoppt zu sein. Die Bahnhöfe konnten sich mit der Note 2,96 gegenüber 3,03 in 2024 sogar leicht verbessern. Dazu beigetragen haben die im vergangenen Jahr fertiggestellten 124 Bahnhöfe – mit einer zukunftsweisenden Rundum-Erneuerung. Der Anteil der mit Note 1 und 2 bewerteten Anlagen des Fahrwegs liegt mittlerweile bei 58 Prozent.