AUCH GANZ ALTEN „SCHÄTZCHEN“ WIRD MAN HIER GERECHT: BRÜCKENWERKSTATT DRESDEN
Mit langer Tradition werden in Dresden Eisenbahnbrücken für die Bahn geplant und gefertigt. Gemäß dem Motto „Alles aus einer Hand“ übernehmen die Experten am Standort sämtliche Arbeitsschritte von der Planung, über die Fertigung bis hin zur Montage sowie Instandsetzung vor Ort. Michael Falk leitet diesen ganz besonderen Betrieb.
Recht unscheinbar in der Dresdner Neustadt unweit des Orts gelegen, wo vor mehr als einem Jahrhundert der erste Fernzug Deutschlands ankam, werden seit mittlerweile mehr als 90 Jahren Stahlbrücken für die Eisenbahn gebaut. „Inzwischen gehören wir zur DB Bahnbau Gruppe und sind neben der reinen Stahlbaufertigung vor allem auf Instandsetzung spezialisiert“, erklärt Oberbauleiter Falk. Für den Neubau sind Stahlbeton-Konstruktionen heute oft effizienter, weil sie wartungsärmer und weniger raumnehmend sind. „Doch es gibt noch hunderte Stahlbrücken im Land, die wir mit relativ einfachem Aufwand sanieren können, indem wir bei Bedarf Verstrebungen und Lager tauschen oder den Korrosionsschutz erneuern. Wir haben hierfür das erforderliche Know-how“, erklärt er. Begleitend zum Studium hat Falk sein Handwerk von der Pike auf in der Brückenwerkstatt gelernt.
Jede der alten Brücken sei anders, da gehe es um Lösungen mit Augenmaß und clevere Anordnung der Bauabschnitte, damit die Sperrpausen im Sinne der Kunden möglichst kurz gehalten werden können. Daher ist die Expertise der Brückenbauer auch gefragt, wenn es darum geht, den konkreten Aufwand für Planung und Sanierung einzuschätzen. Um das langjährige Wissen zu erhalten, setzen die Dresdner auf einen behutsamen Generationswechsel: „Wir haben einen recht ausgewogenen Mix aus erfahrenen und jüngeren Kollegen“, sagt Michael Falk. „Pro Jahr bilden wir zudem mindestens zwei Azubis aus.“
Doch allein auf das Sanierungsgeschäft will man sich in der Traditionswerkstatt nicht verlassen. Die Flexibilität von Stahlkonstruktionen sei gerade bei Bau- und Interimszuständen unschlagbar, und die brauche es fast überall, wo unter rollendem Rad gebaut wird, so Oberbauleiter Falk. Deswegen setzen die Dresdner auch auf die Fertigung und Verwendung von Standardstahlprodukten wie Hilfsbrücken oder Signalauslegern. „Auch in diesem Bereich sehen wir einen wachsenden Markt“. Zum Beispiel verfügt man über eine 31 Meter lange Zwillingsträgerhilfsbrücke und wiederverwendbare Kabelhilfsbrücken, erzählt der Ingenieur und ist sich sicher: „Mit dieser Mischung aus Tradition und Moderne hat unsere Brückenwerkstatt eine klare Perspektive.“