Alternative Antriebe und Kraftstoffe
Rund 61 Prozent des über 33.400 Kilometer langen deutschen Schienennetzes sind bislang elektrifiziert. Auf diesen Strecken sind 90 Prozent aller Reisenden und Güter unterwegs. Wo Züge nicht mit Bahnstrom elektrisch angetrieben werden können, fahren in der Regel mit CO2-emittierendem Dieselkraftstoff. Auf dem Weg zum klimaneutralen Konzern verabschiedet sich die Deutsche Bahn von dem herkömmlichen Kraftstoff und setzt immer öfter auf nachhaltige Alternativen. Dabei verfolgt sie eine zweigeteilte Strategie:
- Bei Bestandsfahrzeugen kommen seit 2022 alternative Kraftstoffe, wie der aus Abfallstoffen erzeugte Biokraftstoff HVO (Hydrotreated Vegetable Oil), zum Einsatz.
- Bei Neufahrzeugen setzt die DB auf neue Antriebsformen - wie etwa Wasserstoff und Batterie-Technologie.
Seit 2022 werden die noch rund 3.000 DB-Dieselfahrzeuge Schritt für Schritt mit alternativen Antrieben und Kraftstoffen fahren, beispielsweise mit Biokraftstoff, hergestellt aus umgewandelten pflanzlichen Rest- und Abfallstoffen. Gegenüber herkömmlichem Diesel verursacht der Biokraftstoff rund 90 Prozent weniger CO₂-Emissionen. Außerdem werden Züge getestet, die mit Wasserstoff oder mit Hilfe von Batterien fahren können. Rund 1,5 Milliarden Euro investiert die DB bis 2027 in den Ausbau neuer Antriebe und Kraftstoffe.
Zusammen mit Siemens Mobility arbeitet die DB an Lösungen für mit Wasserstoff betriebene Züge. Geplant ist ein einjähriger Probebetrieb des Zuges im Raum Tübingen, den das Ministerium für Verkehr in Baden-Württemberg unterstützt. Damit der Zug in der selben Zeit wie ein Dieselzug betankt werden kann, hat die DB eine Wasserstofftankstelle entwickelt. Das neue Wasserstoffgesamtsystem soll ab 2024 im regulären Fahrgasteinsatz zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim in Betrieb gehen und die dort fahrenden Dieseltriebwagen ersetzen. Durch den Wechsel der Antriebsart ergeben sich auf der Strecke CO₂-Einsparungen von ca. 330 Tonnen pro Jahr.
Aber auch im Betrieb und der Instandhaltung sammelt die DB beim Thema Wasserstoff Erfahrungen: Seit Dezember 2022 betreibt die DB-Tochtergesellschaft start GmbH die größte Wasserstoffflotte der Welt im RMV-Gebiet, die Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge erfolgt im DB Regio-Werk in Griesheim.
Wo keine elektrische Oberleitung und damit Ökostrom möglich ist, setzt die DB auf Alternativen zum Diesel – bspw. im Rangierbetrieb. In Würzburg und Nürnberg sind bereits die Prima H3 Hybrid-Rangierlokomotiven von Alstom in Betrieb. Im Vergleich zu den zuvor betriebenen Rangierloks sparen die neuen Hybridloks jährlich erhebliche Mengen an Kraftstoff und damit auch CO2. Die Loks werden überwiegend im reinen Batteriemodus bewegt. Über ein kleines Dieselaggregat mit Generator werden bei Bedarf die Batterien geladen.
Im Norden treibt die DB die Elektrifizierung von Nahverkehrsstrecken mit Oberleitungsinseln voran. Statt durchgehend Oberleitungen für elektrische Lokomotiven zu bauen, werden dabei jeweils nur kurze Abschnitte oder Bahnhöfe elektrifiziert, an denen akkubetriebene Züge aufgeladen werden. Die Bauarbeiten für das Projekt haben bereits in Schleswig-Holstein begonnen. Auch an der Westküste in Heide, Husum und Tönning wird diese Technik zum Einsatz kommen, sodass dort ab Ende 2023 umweltfreundliche Akku-Züge rollen können.
Aber auch auf der Straße verstärkt die DB ihr grünes Engagement. So wird die Busflotte von DB Regio Schritt für Schritt auf klimafreundlichere Kraftstoffe umgerüstet. Derzeit plant und realisiert DB Regio Bus an mehr als 35 Standorten in ganz Deutschland Projekte mit klimafreundlichen Antrieben. Diese reichen von alternativen Kraftstoffen, über den Einsatz von Wasserstoff- und Batteriebussen bis zum Umbau vorhandener Dieselfahrzeuge in Elektrobusse.
In Bayern hat DB Regio bereits neue Elektrobusse im Einsatz. Die Busse sind in Bad Tölz und in Oberstdorf im Allgäu unterwegs. Das Besondere: Beim Bremsen und Bergab-Fahren wird Energie zurückgewonnen. Und getankt wird natürlich mit Ökostrom. Auch DB Regio Bus Nordrhein-Westfalen betreibt gemeinsam mit der Stadtbus Bocholt GmbH den ersten vollelektrisch angetriebenen Bus im regionalen Stadtverkehr. Leise und klimaneutral sind die Kund:innen künftig in diesem Bus unterwegs.
Rund um Niebüll und Husum setzt DB Regio Bus Wasserstoffbusse im Linienverkehr ein. Angetrieben werden sie mit klimaneutralem Wasserstoff, der mit regionalem Windstrom erzeugt wird. Eine Tankfüllung reicht für 400 Kilometer, was einem regulären Betriebstag im Linienverkehr entspricht.