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Frankfurt am Main

Pünktlich zum Schulbeginn nimmt die Deutsche Bahn das neue Elektronische Stellwerk (ESTW) für den Frankfurter S-Bahn-Tunnel in Betrieb

Gesamtinvestition von über 100 Millionen Euro • Modernste Signal- und Sicherungstechnik für eine der meistbefahrenen Strecken Deutschlands • Nächste Stufe des S-Bahn-Nachtverkehrs startet

Nach mehr als drei Jahren Bauzeit ist heute das neue Elektronische Stellwerk (ESTW) für die Tunnelstammstrecke der S-Bahn Rhein-Main unter der Innenstadt von Frankfurt in Betrieb gegangen und hat damit nach 40 Jahren die alte Stellwerkstechnik für den City-Tunnel abgelöst. Insgesamt wurden über 100 Millionen in neue Technik investiert. Um 4.32 Uhr ist die S1 aus Offenbach mit Ziel Wiesbaden als erste S-Bahn nach der Sperrung während der Sommerferien wieder durch den Tunnel gefahren. 

Die über 6 Kilometer lange Tunnelstrecke zwischen Frankfurt Hauptbahnhof und Frankfurt-Lokalbahnhof beziehungsweise Frankfurt-Mühlberg wird von 8 S-Bahnlinien durchfahren, wobei stündlich bis zu 24 Züge den Tunnel in jeder Richtung passieren. Diese hohe Zugdichte brachte das alte Stellwerk an seine Leistungsgrenze.

Der Konzernbevollmächtige der DB für das Land Hessen, Dr. Klaus Vornhusen, zieht ein erstes Resümee: "Die Umsetzung dieses Vorhabens ist ein ungeheuer wichtiger Meilenstein, um den Schienenknoten Frankfurt mit dem Projektprogramm Frankfurt Rhein-Main plus modern aufzustellen. Wir alle hatten und haben großen Respekt vor der Aufgabe, in Jahrzehnten gewachsene Alttechnik durch zeitgemäße Elektronik zu ersetzen. Dank und Kompliment an die Fachleute der DB, die viele Nachtschichten gefahren haben, um dies möglich zu machen. Dank und Kompliment aber auch an unsere Fahrgäste, die viel Geduld gezeigt haben und auch Verständnis für die lästigen aber unverzichtbaren Tunnelsperrungen."

Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Großprojekte Mitte der DB Netz AG, zieht Bilanz: „Wir haben alles Erforderliche dafür getan, dass am ersten Arbeitstag nach den hessischen Schulferien das neue Stellwerk wie vorgesehen den Betrieb übernommen hat. Dies war eine technische und logistische Großleistung von Projektleiter Matthias Körner mit den beteiligten Firmen, insbesondere Siemens und Leonhard Weiss, sowie der vielen Fachleute der Deutschen Bahn.“

Zusätzlich zu den Arbeiten für das neues Elektronische Stellwerk (ESTW) hatten sich der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und die DB entschieden, auch eine Geschwindigkeits-erhöhung auf unterirdischen Teilstrecken umzusetzen. Damit können die Züge im Tunnel schneller unterwegs sein. Die höhere Geschwindigkeit ermöglicht Fahrzeitpuffer, erhöht die Betriebsqualität und führt zu einer stabileren Verkehrsabwicklung. Hierfür baute die DB Netz AG 20 weitere Signale ein, passte 48 bestehende Signale an und verlegte darüber hinaus 70 Kilometer erforderliche Signalkabel. „Die Geschwindigkeitserhöhung ist eine gute Nachricht für all unsere Fahrgäste“, sagt Prof. Knut Ringat, RMV-Geschäftsführer. „Sie ermöglicht Fahrzeitpuffer und dadurch einen stabileren Betrieb. Wir erwarten, dass dadurch auch die S-Bahnen pünktlicher unterwegs sein werden.“

Allein in den letzten 6 Wochen vor der Stellwerksumstellung wurden von den Bauarbeitern 620 Tonnen altes Material aus dem Tunnel entfernt, davon 190 Kilometer alte Kabel und 100 Signale der abgelösten Relais-Technik. Über 100 Monteure und Prüfer waren rund um die Uhr im Schichtbetrieb im Einsatz, um das neue ESTW auf den Weg zu bringen. 

Mit der Inbetriebnahme des neuen ESTW ist der Frankfurter City-Tunnel wieder rund um die Uhr befahrbar. Damit wird auch das Nachtverkehrsangebot auf weitere Linien ausgeweitet: Ab dem 10. August fahren die S-Bahnlinien S1-S5 und S8 an den Wochenenden auch nachts jede Stunde durch den Tunnel, Frankfurt und die Region. Neu sind damit Nachtfahrten auf der S2 nach Niedernhausen und Dietzenbach, auf der S3 auf dem Abschnitt zwischen Darmstadt und Bad Soden, der Linie S4 zwischen Kornberg und Langen, der S5 zwischen Friedrichsdorf und Frankfurt Süd sowie der S6 zwischen Bad Vilbel und Friedberg. 

S-Bahn-Chef Christian Roth sieht dabei die S-Bahn als Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs im Rhein-Main Gebiet: „Die S-Bahn ist aus dem Leben vieler Menschen nicht wegzudenken. Auch wenn nicht immer alles rund läuft. Wir strengen uns jeden Tag an, um die S-Bahn pünktlicher zu machen und wir sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für unsere Fahrgäste da. Die neue Technik im Tunnel wird dazu beitragen, die Leistung für unsere Kunden zu verbessern“.   

Für die Beeinträchtigungen durch die verschiedenen S-Bahn-Tunnelsperrungen während der vergangenen Jahre hatten die regionalen Verkehrsanbieter jeweils umfassende Mobilitätsangebote entwickelt. „Zum Glück gibt es im dichten Frankfurter Nahverkehrsnetz fast immer gute Alternativen“ freut sich der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling. „Gerade die leistungsstarken U-Bahnen waren mit erweiterten Kapazitäten für die Fahrgäste unterwegs“. Jede der gesperrten S-Bahn-Stationen war auch mit den städtischen Verkehrs- mittel U-Bahn, Straßenbahn oder Bus direkt oder mit kurzem Fußweg erreichbar. 

Neben den Fahrtalternativen mit Bus und Bahn bot das Fahrradverleihsystem Call a Bike von Deutsche Bahn Connect den Kunden eine sportliche Möglichkeit die Baustelle zu umfahren: Während der Zeit der S-Bahn-Tunnelsperrung waren alle Kunden in den ersten 30 Minuten jeder Fahrt kostenfrei unterwegs. Und auch die einmalige Jahresgebühr bei Anmeldung entfiel während des Zeitraums der Tunnelsperrung. 

Der Bau des neuen Elektronischen Stellwerks (ESTW) für den City-Tunnel der S-Bahn Rhein-Main ist Teil des Infrastrukturentwicklungsprogramms Frankfurt RheinMain plus, das gemeinsam vom Land Hessen, der Stadt Frankfurt am Main, dem Rhein-Main-Verkehrsverbund und der DB AG vorangetrieben wird.