Deutsche Bahn

Blockchain

Transaktionen sicher digital organisieren

Für die Blockchain-Technologie gibt es keine Blaupausen, sondern man muss „selbst ran“, Lösungen entwickeln und testen. Seit mehr als einem Jahr gibt es bei der DB deshalb eine Blockchain-Abteilung, die den Einsatz der Technologie für die Bahn auf Herz und Nieren prüft. Die rund 30 Mitarbeiter, etwa Entwickler, Software-Architekten und Projektmanager, vereinen technologisches Knowhow mit Bahnexpertise.

Am Anfang stand die Frage wie sich mithilfe der neuen Technologie Prozesse besser machen lassen. Ein einfaches Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen der DB. Als eines der ersten Pilotprojekte läuft die Verrechnung erster interner Leistungen über Smart Contracts in der Unternehmensblockchain. Das hat einen deutlichen Effekt: Früher dauerte dieser Prozess teilweise mehrere Wochen, jetzt nur noch wenige Tage.

Derzeit arbeitet die DB an rund 20 Anwendungsfällen für die Blockchain-Technologie – von Logistiklieferketten über einfacheres und verkehrsträgerübergreifendes Ticketing bis hin zum Bahnbetrieb, vom Forschungsprojekt über den Prototyp bis hin zum praktischen Einsatz.  

Blockchainbasierte Einnahmeaufteilung: Das technologische Fundament für nahtloses Reisen

Immer mehr Menschen nutzen öffentliche Verkehrsmittel. Das Angebot wächst stetig: Bahn, Bus, Carsharing, Bikesharing, Ridepooling. Reisende wollen so einfach und bequem wie möglich von A nach B kommen – ohne auf Verbundgrenzen, Anbieter oder Tarife achten zu müssen.

Der konkrete Anwendungsfall ist die Einnahmeaufteilung im Nahverkehr, die mithilfe der Blockchain transparent organisiert werden kann. Schon heute ist es für Verkehrsverbünde, die die Ticketerlöse regelmäßig auf die Verkehrsunternehmen im Tarifverbund aufteilen, sehr komplex, eindeutig zu ermitteln, welche Einnahmen auf welchen Anbieter entfallen. Nahtlose Reiseketten, die immer mehr Anbieter integrieren, erschweren die eindeutige Zuordnung von Umsätzen zusätzlich.

Eine blockchainbasierte Plattform schafft nun in Echtzeit Transparenz darüber, welchem Anbieter welcher Anteil am Erlös zusteht. Derzeit laufen erste Gespräche mit Partnern aus der Branche, um die Plattform erstmals im Einsatz für einen Verkehrsverbund zu testen.

Blick in die Blockchain-Werkstatt: der Bahnbetrieb der Zukunft

Vereinfacht ausgedrückt, ist Blockchain überall dort sinnvoll, wo eine abgesicherte Transaktion stattfindet. Die meisten aktuellen Anwendungen stammen aus dem kaufmännischen Bereich und beschränken sich auf die virtuelle Welt. Die DB erforscht derzeit, ob über die Blockchain auch tonnenschwere Züge bewegt werden könnten.

Auf theoretischer Ebene handelt es sich auch um eine abgesicherte Transaktion, wenn ein Zug einen Streckenabschnitt befährt, einen Bahnhof oder eine Weiche passiert. Idee ist nun, dass Züge über die Blockchain miteinander und mit den anderen Elementen, etwa Signalen, Weichen, Trassen, kommunizieren. Die Blockchain stellt in Echtzeit die nötige Transparenz her, etwa welcher Abschnitt zu welcher Zeit durch welchen Zug belegt ist. Dadurch weiß der Zug selbst, ob eine Trasse gerade frei ist oder nicht. Das heißt am Ende: der Zug könnte seine Trasse selbst buchen, befahren und dann wieder freigeben für den nächsten Zug.

Für die Umsetzung müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein. Züge, Weichen und Schienen müssen digital in der Blockchain abgebildet werden. So könnten sie quasi miteinander agieren und Leistungen untereinander aushandeln sowie Prozesse sicher dokumentieren. Das geht natürlich nur im Verbund mit anderen Technologien wie Sensorik oder KI.

Erste Tests im Eisenbahnbetriebsfeld in Darmstadt, in dem der Bahnbetrieb simuliert wird, haben gezeigt, dass die Verkehrssteuerung mit Blockchain theoretisch möglich ist. Der nächste Schritt wäre ein Test mit echten Zügen.

Blockchain bei DB Schenker

Gerade für die Logistik bietet Blockchain-Technologie große Potentiale. Auch DB Schenker hat bereits mehrere Blockchain-Anwendungen im Logistikbereich getestet. Beispielsweise zeigten sich bei nationalen und internationalen Transporten, die mit Blockchain-Technologie überwacht wurden, geeignete Aufgabengebiete von Blockchain bei der Effizienzsteigerung von Transportmanagementprozessen und bei der Reduzierung von Produktfälschungen. Konkret lassen sich durch das Transparenzprinzip nicht nur Datenfehler und Mehrfacheingaben entlang der Logistikkette vermeiden. Es gibt auch kaum noch Möglichkeiten, Produktfälschungen unerkannt in den Transportprozess einzubringen. Blockchain hat zudem das Potenzial, die Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern zu verbessern.