Artikel: Baustart für neue Huntebrücke Elsfleth
Die Deutsche Bahn (DB) startet gemeinsam mit Bund, Land Niedersachsen und regionalen Partnern den beschleunigten Neubau der Eisenbahnbrücke über die Hunte in Elsfleth. Heute gaben DB InfraGO-Chef Philipp Nagl, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies vor Ort den Startschuss für den offiziellen Baubeginn. Die neue Hub-Drehbrücke soll im Winter 2027/2028 in Betrieb gehen.
Die Huntebrücke ist ein zentraler Knotenpunkt für den Bahn- und Güterverkehr im Nordwesten Deutschlands. Sie verbindet die Binnenwasserstraße zwischen Weser und Ems mit dem Hafen Oldenburg und ist die einzige Bahnverbindung zu den Seehäfen Brake und Nordenham. Die Strecke ist damit nicht nur wichtig für den Personenverkehr im Stundentakt zwischen Bremen und Nordenham, sondern auch von hoher wirtschaftlicher Bedeutung für den Güterverkehr zwischen Häfen und Hinterland.
Nach dem Planfeststellungsbeschluss und der Vergabe der zentralen Bauleistungen Anfang 2026 beginnen nun die Hauptbauarbeiten. Das Team der DB InfraGO nutzt beim Neubau der Huntebrücke gezielt Erfahrungen aus dem Wiederaufbau der Friesenbrücke über die Ems. Durch enge Abstimmungen aller Beteiligten konnten Genehmigungs- und Planungsprozesse deutlich beschleunigt werden. Bereits vor dem Planfeststellungsbeschluss wurden wichtige bauvorbereitende Maßnahmen auf den Weg gebracht, um einen frühzeitigen Baustart zu ermöglichen.
Dr. Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender DB InfraGO: „Mit dem Neubau der Huntebrücke schaffen wir eine moderne, leistungsfähige und deutlich robustere Infrastruktur für Schiene und Schifffahrt in der Region. Gleichzeitig zeigen wir, dass Infrastrukturprojekte deutlich schneller umgesetzt werden können, wenn Bund, Land, Kommunen und Bahn gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Erfahrungen aus dem Wiederaufbau der Friesenbrücke helfen uns dabei als wichtige Blaupause.“
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder: „Mit dem Neubau der Huntebrücke sichern wir eine zentrale Verkehrsader im Nordwesten Deutschlands – für Pendlerinnen und Pendler, für die Häfen Brake und Nordenham und für den Güterverkehr zwischen Küste und Hinterland. Dass der Zugverkehr auch während der Bauarbeiten über die bereits eingebaute Hilfsbrücke weiterläuft und die neue Brücke zugleich mehr Sicherheit und Kapazität für Schiene und Schifffahrt bringt, zeigt: Wir bauen nicht nur neu, wir bauen besser. Die Huntebrücke steht beispielhaft dafür, wie Bund und Bahn Infrastruktur nicht nur schneller planen und bauen, sondern diese auch zukunftsfähig machen können.“
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies: „Die Huntebrücke ist von zentraler Bedeutung für die Mobilität und die wirtschaftliche Stärke im Nordwesten Niedersachsens. Sie verbindet Menschen, Häfen und Unternehmen in der Region und ist unverzichtbar für Pendlerinnen und Pendler ebenso wie für Industrie und Güterverkehr. Deshalb war es wichtig, Planung, Genehmigung und Vergabe so schnell wie möglich voranzubringen. Hier haben alle Beteiligten in hervorragender Weise zusammengearbeitet. Dem gilt mein großer Dank. Mit dem heutigen Baustart schaffen wir so die Grundlage dafür, dass die Hunte künftig wieder zuverlässig für Schiene und Schifffahrt passierbar ist – moderner, leistungsfähiger und zukunftsfest.“
Die vorbereitenden Arbeiten laufen bereits und liegen im Zeitplan: Baugruben, Arbeitsplattformen und Baustelleneinrichtungsflächen sind hergestellt, aktuell erfolgen die Gründungsarbeiten für die künftigen Brückenpfeiler. In den Baugruben der Achsen 60 und 70 erhärtet der Unterwasserbeton planmäßig. Sobald die erforderliche Festigkeit erreicht ist, werden die Baugruben schrittweise leergepumpt. Umlaufende Gurtungen sichern sie dann dauerhaft gegen den äußeren Wasserdruck. Im Anschluss entsteht eine Ausgleichsschicht aus Beton, auf die eine mehrere Meter starke Tragplatte folgt. Sie bildet die Grundlage für die späteren Brückenpfeiler.
Die Durchfahrtshöhe der neuen Brücke wird mit 8,40 Meter um 1,93 Meter größer sein als bei der alten Bestandsbrücke; zudem soll die Fahrrinne für die Schifffahrt um sieben Meter auf 42 Meter verbreitert werden. Die höhere Brücke sorgt für mehr Sicherheit, da sie seltener für Schiffe geöffnet werden muss. Damit wird auch der Verkehrsfluss und die Kapazität für den Eisenbahn- und Schiffsverkehr verbessert.
Die neue Brücke liegt leicht westlich versetzt zur Bestandsstrecke, daher können Züge über die provisorische Hilfsbrücke während der Arbeiten regulär fahren. Sie wird wie die Bestandsbrücke eingleisig sein. Auch ein Geh- und Radweg ist seitlich an der Brücke eingeplant.
Nach zwei Schiffskollisionen im Februar und Juli 2024 wurde zunächst die bewegliche Bestandsbrücke irreparabel beschädigt, dann auch die im Anschluss errichtete feste Hilfsbrücke. Um die Bahnverbindung schnellstmöglich wiederherzustellen, konnte die DB InfraGO beide Male in einer Rekordzeit von nur wenigen Wochen die Hilfsbrücken einbauen oder erneuern. Seitdem kann zumindest der Zugverkehr wieder uneingeschränkt laufen. Anders als das Bestandsbauwerk ist die Hilfsbrücke nicht beweglich und lässt sich nicht für den Schiffsverkehr öffnen. Bis zum Neubau einer beweglichen Brücke können nur Binnenschiffe den Wasserweg nutzen, die flach genug sind, um tideabhängig unter der festen Hilfsbrücke durchzufahren.
Mehr Informationen: Bauprojekt Elsfleth „Hunte“ Eisenbahnüberführung