Deutsche Bahn macht sich bereit für die kalte Jahreszeit
70 Millionen Euro stehen für Winterdienst zur Verfügung • Zehntausende Mitarbeiter in Bereitschaft • Schneeräumtechnik nach umfassendem Check bereit für den Einsatz • Neues Expertenteam hat Folgen des Klimawandels im Blick
Die Deutsche Bahn wappnet sich auch diesen Winter bereits vor den ersten Schneeflocken für die kalte Jahreszeit, damit die Reisenden möglichst reibungslos und pünktlich an ihrem Ziel angelangen. Zehntausende DB-Mitarbeiter, Winterdienst-Profis sowie Spezialfahrzeuge werden zur Verfügung stehen, um schnellstmöglich Bahnsteige und Gleise freizuräumen. Züge und Loks werden frühzeitig in den DB-Werkstätten geprüft und winterfest gemacht, damit sie auch bei frostigen Temperaturen einsatzbereit sind. Kommt es aufgrund von Witterungsverhältnissen zur Fahrplanverzögerungen, gilt als Oberste Priorität unmittelbar die Fahrgäste zu informieren. Neben Durchsagen und dem DB Navigator werden die Reisenden auch über die mehr als 6.000 dynamischen Schriftanzeiger auf den Bahnhöfen erreicht.
Der Weg zum Zug: Bahnsteige werden gestreut und geräumt
Reisende sollen auch in den Wintermonaten komfortabel und sicher zu ihren Zügen gelangen. Im Zuge dessen hat die DB ein umfassendes Winterprogramm entwickelt, indem Mitarbeiter geschult wurden und technische Geräte und Streugut beschafft, um Zugänge und Bahnsteige von Schnee und Eis zu befreien. In größeren Bahnhöfen helfen Kehrmaschinen und Schneeräumfahrzeuge. Dank der ständigen Bereitschaft der DB-Mitarbeiter und lokaler Räumfirmen wird ein flächendeckender Winterdienst gewährleistet.
Durch eine professionelle Winterdienstbank, die mit geologischen Daten und Live-Auswertung arbeitet, kann der Einsatz von Mitarbeitern vor Ort präzise geplant werden. Die Schneeräumung an den Bahnsteigen wird durch die „Near Field Communication“ überwacht. Durch das an- und abmelden der Winterdienstkräfte wird somit über Beginn und Ende der Räumung informiert. Dennoch können extreme Witterungsverhältnisse eine erhebliche Herausforderung für den Winterdienst in den Bahnhöfen darstellen.
Ständig in Bewegung
Vor Einbruch der kalten Jahreszeit werden die Fahrzeuge in den Werkstätten einer besonderen Kontrolle unterzogen und winterfest gemacht. Frei von Schnee und Eis: In regelmäßigen Abständen führt die DB Maßnahmen durch, um sicherzustellen, dass Fahrzeugkomponenten nicht einfrieren oder vereisen. Bei DB Regio tauen mehr als 60 Anlagen, mit Warmwasser oder warmer Luft Fahrzeuge auf. Im ICE-Werk Frankfurt am Main wurde eine Glykol-Behandlungsanlage installiert, um die Anhaftung von Eis und Schnee am Fahrzeug zu minimieren.
Personenzüge werden während der Betriebsruhe vorgeheizt, damit die Batterien geschont werden und auch die Reisenden haben etwas davon: in den Fahrgasträumen herrscht bereits beim Zustieg eine angenehme Temperatur.
Außerdem werden Stromabnehmer regelmäßig hoch- und runtergefahren, damit sie nicht festfrieren. Bei Loks wird durch „Frostwachen“ regelmäßig überprüft, ob der Stromabnehmer noch oben ist. Triebzüge mit entsprechender Diagnosetechnik melden dies selbstständig. Die Bremsen des Fahrzeugs werden ebenfalls für einen kurzen Moment gelöst und dann wieder angezogen, sodass diese nicht einfrieren und beschädigt werden können. Um Fahrzeuge auch im Winter betreiben und instand halten zu können, müssen diese regelmäßig von Schnee und Eis befreit werden. Bei DB Regio gibt es dafür in Reinigungsanlagen und Werkhallen mehr als 60 Anlagen, die mit Warmwasser oder warmer Luft Fahrzeuge auftauen. Werkstätten werden an schweren Wintertagen länger geöffnet und wenn nötig, Schichten flexibel und kurzfristig umgeplant.
Spezialfahrzeuge halten Fahrweg frei von Eis und Schnee
Im Winter sind die rund 70.000 Weichen besonders empfindlich. An betriebswichtigen Knotenpunkten und stark befahrenen Strecken sind daher etwa 12.700 Weichen mit einer Antriebsabdeckung ausgestattet. Die Abdeckungen schützen vor Schneeverwehungen und von Zügen fallende Eisbrocken. 49.000 Weichen haben eine Heizung, die das Einfrieren der beweglichen Teile verhindern soll. Alle Anlagen wurden vor dem Wintereinsatz intensiv getestet. In Nord- und Ostdeutschland hat die DB außerdem alle 5.800 ferngesteuerten Weichenheizungen an eine digitale Diagnoseplattform angeschlossen. Durch Überwachung mit Sensoren können sich anbahnende Störungen frühzeitiger erkannt und behoben werden. Weitere Regionen sollen nach und nach ebenfalls die Technik erhalten.
Trotz aller Vorkehrungen können Weichenheizungen bei Extremfrost oder starken Schneeverwehungen an ihre Grenzen geraten. Dann kommen rund 18.000 Räum- und Sicherungskräfte zum Zuge, die die Fahrbahn per Hand wieder freimachen. Das Eintreffen der Winterdienstkräfte vor Ort kann nur so schnell erfolgen wie die Straßenbedingungen es zulassen, da diese in der Regel mit Fahrzeugen zum Einsatz fahren.
Ergänzend setzt die DB schwere Loks ein, die über verschneite Gleise fahren und eine Spur durch den Schnee ziehen. Die den „Spurloks“ nachfolgenden leichtere Züge können die Gleise so wieder ungehindert befahren. Bei Schneehöhen von über vierzig Zentimetern und langandauernden Schneefällen reichen diese Maßnahmen auch nicht mehr aus. Für diese Fälle stehen an strategischen Punkten im Netz 70 Schneepflüge, -schleudern und Instandhaltungsfahrzeuge mit Schneeräumtechnik bereit.
Da es erfahrungsgemäß eher selten ist, dass das gesamte Bundesgebiet gleichzeitig unter einer hohen Schneedecke versinkt, helfen gerade nicht benötigte Fahrzeuge in stark verschneiten Regionen aus. Die Koordination dieser Aktivitäten übernehmen sieben regionale und ein zentrales Lagezentrum.
Winter bei der DB
Güterverkehrslokomotiven werden winterfest gemacht
Bei DB Cargo werden alle Loks, die älter als zwanzig Jahre sind, von September bis November winterfest gemacht. Vorgenommen werden Inspektions- und Wartungsarbeiten wie das Abfetten der Stromabnehmer, die Prüfung der Sandstreuanlage auf Dichtheit und Zustandsprüfung der Fahrzeugbatterie, das Auffüllen der Scheibenwaschanlage mit Wasser und Frostschutzmittel, die Entwässerung der Druckluftanlage sowie Funktionsprüfung der Scheibenheizung.
Call a Bike Räder auch in den Wintermonaten verfügbar
Das Fahrradverleihangebot der Deutschen Bahn „Call a Bike“ mit seinen angeschlossenen Systemen ist das ganze Jahr über verfügbar. Eine generelle Winterpause gibt es nicht. Während der kalten Jahreszeit und der damit verbundenen etwas geringeren Nutzung der Räder werden die bundesweit rund 15.000 Räder Stück für Stück in Werkstätten für die neue Fahrradsaison fit gemacht. Rund 90 Mitarbeiter stellen die Verkehrssicherheit der Räder sicher, reinigen sie gründlich und erneuern Verschleißteile.
Perspektivisch extremer: Spezialistenteam wappnet DB für Klimawandel
Untersuchungen von Klimaforschern zeigen, dass schwere Stürme, Starkregen, Hitzeperioden sowie örtlich starker Frost und Schneefall zunehmen werden. Mit ihrem 33.400 Kilometer langen Streckennetz, rund 5.700 Bahnhöfen und täglich 40.000 Zugfahrten ist die DB – trotz aller Vorbereitungen – nicht immer gegen derartige Extremwetter gefeit. Um den klimatischen Veränderungen und deren Folgen besser zu begegnen, hat die DB ein eigenes Team aus Forstwirten, Ingenieuren, Wasserwirtschaftlern und Geowissenschaftlern ins Leben gerufen. Die DB-Spezialisten werten bisherige Wetterereignisse aus und entwickeln konkrete Maßnahmen, mit denen sich die Bahn personell, technisch und betrieblich für die klimatischen Veränderungen wappnet. So wurde unter Federführung des Teams etwa das Vegetationsmanagement an Bahnstrecken intensiviert, um einen robusten, wetterfesten Baumbestand zu generieren.
Zahlen & Fakten zur Wintervorbereitung in der Region Nordost finden Sie rechts im Downloadbereich.
