Artikel: ZIB Forum
Begrüßung
Die beiden Geschäftsführer der ZIB, Michael Gilka (Hauptgeschäftsführer BVMB) und Steffen Hantschick (DB InfraGO AG – Leiter Vertragsmanagement und Verbände), eröffneten am 21.01.2026 in Berlin das ZIB-Forum. Sie begrüßten rund 250 Vertreterinnen und Vertreter aus der Bauwirtschaft, den Planungsbüros sowie der Deutschen Bahn.
Der vorgestellte Programmablauf machte deutlich: Die Teilnehmenden erwartete ein abwechslungsreicher Tag mit Impulsvorträgen, Panels, Marktständen, Fachforen und Podiumsdiskussionen – abgerundet durch eine gemeinsame Abendveranstaltung.
Impulse zum ZIB-Forum
Wichtige Impulse zum ZIB-Forum gaben Tim Lorenz und Dr. Marcus Schenkel. Tim Lorenz betonte den hohen Handlungsdruck angesichts der maroden Infrastruktur und der Chance der für die Erneuerung der Infrastruktur zur Verfügung gestellten hohen Investitionsmittel. Entscheidend sei, dass Bauwirtschaft und Deutsche Bahn gemeinsam Verantwortung übernehmen – durch bessere Vorbereitung, effizientere Prozesse und eine klare, gemeinsame Kommunikation. Projekte wie die Riedbahn hätten dabei Maßstäbe gesetzt. Zudem seien der Abbau von Nachtragsvolumen, der gezielte Einsatz von Ressourcen sowie robuste Schutz- und Resilienzkonzepte gegen Angriffe auf die kritische Infrastruktur zentrale Aufgaben.
Dr. Marcus Schenkel machte die Herausforderungen der DB deutlich: Die Infrastruktur ist schneller gealtert, als sie erneuert wurde. Gleichzeitig hat der Verkehr auf der Schiene stetig zugenommen. Langfristig gehe es um einen strukturierten Abbau des Erneuerungsrückstandes. Wichtige Hebel sind partnerschaftliche Vertragsmodelle, der effiziente Umgang mit knappen Sperrzeiten sowie die Sicherstellung und der Aufbau von Personal, Material und Maschinen. Eine hohe Sensibilität im Betrieb sei unerlässlich, um die Infrastruktur auch während der Bauphasen sicher zu betreiben.
Rückblick ZIB
Zu Beginn gab Steffen Hantschick einen Überblick über die ZIB und ihre verschiedenen Cluster, die die zentralen Handlungsfelder der ZIB abbilden. In der ZIB arbeiten Bauwirtschaft, Planer und DB in allen relevanten Bereichen eng zusammen, um praxisnahe Lösungen zu entwickeln.
Anschließend blickte Michael Gilka auf das letzte ZIB-Forum 2024 zurück. Dieses Forum stand im Zeichen von SB² und behandelte verschiedene Schwerpunkte in den Fachforen. Aus den Diskussionen entstanden insgesamt 20 Ideen, von denen 12 priorisiert und in konkrete Maßnahmen überführt wurden. Einige dieser Maßnahmen stellten Michael Gilka und Steffen Hantschick den Teilnehmenden vor. Alle Ergebnisse und Maßnahmen der ZIB sind zudem auf der ZIB-Webseite einsehbar.
Panel zum Rückblick ZIB
Abschließend zum Rückblick der ZIB gaben Jonathan Wachler (DB) und Steffen Schuster (VBI/Vössing Ingenieurgesellschaft mbH) einen tieferen Einblick in das Cluster „Grünes Planen, Bauen und Betreiben“, während Conrad Pelka (DB) das Thema Gewölbebrücken vertiefte.
Im Anschluss wurden die Teilnehmenden nach ihren Erfahrungen in der Umsetzung befragt sowie nach möglichen Wünschen für eine „bessere“ Umsetzung.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Das Engagement von Bauwirtschaft, Planern und der DB ist groß. Gleichzeitig zeigt sich beim Cluster „Grünes Planen, Bauen und Betreiben“, dass zusätzliche politische Unterstützung notwendig ist, um die erforderlichen Maßnahmen für Klimaschutz und die Erreichung der Klimaziele umzusetzen. Auch beim Thema Gewölbebrücken wurde deutlich, dass die Hürden für eine Umsetzung hoch sind und Beharrlichkeit, Ausdauer und ausreichende Managementunterstützung wichtig für den Erfolg sind.
Beim anschließenden Mittagessen hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, weitere Marktstände zu besuchen und einen vertieften Einblick in laufende Maßnahmen zu erhalten.
Marktstände:
- Grünes Planen und Bauen, Betreiben
- Mindbox: Laufendes Programm
- Automatisierte Planungs- und Dokumentenprüfung
- Baustoffe der Zukunft: Wie ist es weiter gegangen?
Nach der Mittagspause ging es weiter zu den 7 angebotenen Fachforen, bei denen sich die Gäste im Vorfeld für ein Fachforum zur Teilnahme entschieden haben:
Fachforen
Hochleistungskorridor Hamburg–Berlin
Im Fachforum zum Hochleistungskorridor Hamburg–Berlin standen die Erfahrungen und Erwartungen an die Generalsanierung im Fokus. Deutlich wurde, wie wichtig eine frühzeitige Abstimmung zwischen Projektleitung und Bauwirtschaft ist, um Sperrzeiten, Bauabläufe und Ressourcen effizient zu koordinieren und die ambitionierten Ziele des Projekts zu erreichen. Das Thema GU vs. Losvergabe wurde kontrovers diskutiert.
Zukunftsblick SB² – Investitionscontainer-Programm 2027/2028
Die Diskussion zeigte klaren Handlungsbedarf bei Transparenz und frühzeitiger Information. Für die Bauwirtschaft ist entscheidend, rechtzeitig Klarheit über Leistungsumfänge, Standorte der Investitionscontainer und geplante Sperrzeiten zu erhalten. Weitere zentrale Themen waren der Fachkräftemangel, die Verfügbarkeit von Maschinen und die Notwendigkeit stärkerer Standardisierung.
BIM2Rail – Modellbasiertes Arbeiten ohne Hürden
Im Forum wurde deutlich, dass der Mehrwert von BIM – etwa durch Beschleunigung und Qualitätssteigerung – noch sichtbarer gemacht werden muss. Erfolgsentscheidend sind eine branchenübergreifende Kommunikation, aktives Change-Management sowie durchgängige Informationsketten von Bestandsdaten für Planer, Bauunternehmen und das Anlagenmanagement. Zudem sollten Standards künftig stärker durch Anforderungen der Auftragnehmer ergänzt werden.
NTPDataGO – Die neue Nachtragsplattform
Die neue Nachtragsplattform NTPDataGO wurde im Rahmen einer Live-Demo vorgestellt. Positiv hervorgehoben wurden Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität. Diskutiert wurde insbesondere der zeitliche Rollout sowie der mögliche Parallelbetrieb mit der bisherigen Plattform während der Einführungsphase.
Besser planen – besser bauen: Qualitätssteigerung in der Ausschreibung
Am Projektbeispiel Zeithain–Leckwitz wurde deutlich, dass die Qualität von Ausschreibungsunterlagen weiter verbessert werden muss. Vorgestellt wurde die Pilotierung eines Projekts in der Realisierungsphase, aktuell mit einer Ausschreibung ohne Ausführungsplanung. Ein zentrales Ergebnis: Entwurfsplaner sollten stärker in die Ausführungsphase eingebunden werden, etwa über strukturierte Lessons-Learned-Formate.
Digitales Aufmaß und Abrechnung – KI-Anwendungen auf der digitalen Baustelle
Diskutiert wurden KI-gestützte Ansätze zur Erfassung von Baugrund- und Kabelbestandsdaten. Vorgestellt wurde ein Prozess zur systematischen Inventarisierung von Bestandsinformationen, ergänzt durch zusätzliche Erkundungsmethoden. Ziel ist der Aufbau eines digitalen Zwillings, um Abrechnungsprozesse zu vereinfachen und zu reduzieren.
Cluster Grünes Planen, Bauen und Betreiben – „Raus aus dem Bremserhäuschen, rauf auf den Führerstand“
Im Cluster Grünes Planen und Bauen standen ökologische Bewertungskriterien und Ökobilanzen im Mittelpunkt. Deutlich wurde, dass unterschiedliche Projekte differenzierte Anforderungen an die Bilanzierung stellen und diese systematisch in bestehende Prozesse integriert werden müssen. Diskutiert wurden zudem innovative Bauverfahren, etwa im Tunnelbau. Als klares Petitum formulierte die Runde den Wunsch nach einem praxisnahen Innovationsforum „aus der Praxis für die Praxis“, idealerweise initiiert aus der ZIB heraus.
Impulsvortrag: Erwartungen des Bundes an die Bahnbaubranche und an die DB InfraGO AG
In seinem Impulsvortrag stellte Staatssekretär Stefan Schnorr (Bundesministerium für Verkehr) die Kundenzufriedenheit in den Mittelpunkt. Die Leistungsfähigkeit der Deutschen Bahn habe sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert, insbesondere bei der Pünktlichkeit. Vor diesem Hintergrund sei ein grundlegender Neustart notwendig gewesen.
Der politische Rahmen werde durch den Koalitionsvertrag gesetzt, der rechtliche und personelle Anpassungen vorsehe. Ziel des Bundes seien höhere Pünktlichkeit, mehr Wirtschaftlichkeit, eine stärkere Gemeinwohlorientierung sowie Maßnahmen, die schnell umsetzbar und wirksam sind. Die Verantwortung für die Umsetzung liege gemeinsam bei der DB InfraGO AG, dem Bund und der Bahnbranche.
Verbesserungen bei der Pünktlichkeit benötigten Zeit. Um dennoch kurzfristige Effekte zu erzielen, arbeite der Bund unter anderem am Abbau von Bürokratie, an Anpassungen bei Trassenpreisen sowie in einer Taskforce, die konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Zuverlässigkeit auf der Schiene erarbeite.
Trotz angespannter Haushaltslage investiere der Bund weiterhin massiv in die Schieneninfrastruktur – insbesondere in Sanierung und Erhalt, Digitalisierung sowie Aus- und Neubau. Neue Finanzierungsstrukturen und weiterentwickelte Leistungsvereinbarungen sollen dabei für mehr Stabilität und Verlässlichkeit sorgen.
Abschließend betonte Schnorr, dass die ambitionierten Ziele nur durch eine enge Zusammenarbeit von Bund, DB, Bauwirtschaft und Ministerium erreicht werden können. Das geplante Infrastruktur-Zukunftsgesetz solle hierfür den verbindlichen Rahmen schaffen.
Podiumsdiskussion: "Zukunft Bahnbau - Zwischen politischem Anspruch und baulicher Realität"
Im Mittelpunkt der lebhaften Diskussion standen die Zukunft des Bahnbaus und die Spannungsfelder zwischen politischen Zielsetzungen und praktischer Umsetzung. Zentrale Themenfelder waren:
- Schnellere Genehmigungsverfahren,
- Finanzen (Finanzierung und Planungssicherheit),
- Partnerschaftliche Zusammenarbeit,
- Innovationen
Unter Einbezug des Publikums wurden hierzu vier Fragen gestellt (siehe nachstehendes Ergebnis).
Die Diskussion zeichnete sich durch einen offenen, konstruktiven Austausch aus, der klare Positionen aufzeigte und wertvolle Impulse für die Zusammenarbeit von Politik, Bahn und Bauwirtschaft lieferte.
Fazit: Nur durch gemeinsames Handeln von Politik, Bahn und Bauwirtschaft lassen sich die ambitionierten Ziele im Bahnbau nachhaltig erreichen.
Ausblick und Schlussworte
Michael Gilka (Hauptgeschäftsführer BVMB) und Steffen Hantschick (DB InfraGO AG – Leiter Vertragsmanagement und Verbände) dankten den Teilnehmenden herzlich für die offenen Gespräche, die konstruktiven Beiträge und das große Interesse. Sie betonten, wie wertvoll die partnerschaftliche Zusammenarbeit für den Bahnbau ist.
Das ZIB-Forum zeigte erneut, dass ein Dialog auf Augenhöhe entscheidend ist, um tragfähige und zukunftsorientierte Lösungen zu entwickeln. Die anschließende Abendveranstaltung bot Gelegenheit, diese Gespräche vertiefend fortzusetzen.
Das nächste ZIB-Forum wird vsl. 2. Quartal 2027 stattfinden.