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Frankfurt am Main

Nach geologischer Untersuchung: Felsabrutsch im Mittelrheintal erfordert deutlich mehr Aufwand und Zeit

DB Netz-Vorstand Dr. Hentschel: „Wollen, dass Züge schnellstmöglich wieder über rechte Rheinschiene fahren. Zuerst muss Sicherheit stimmen“ • Großteil der Güterzüge fährt zuverlässig über linke Rheinschiene

Die Stabilisierung und Sicherung der Felshangs auf der Mittelrheinstrecke bei Kestert erfordern mehr Aufwand und Zeit als ursprünglich angenommen. Nach dem Ereignis am 15. März war die DB sofort mit eigenem Personal sowie Geolog:innen und Kletterer:innen vor Ort, hat Helikopter und tonnenschwere Bagger eingesetzt und insgesamt sechs Sprengungen vorgenommen, um den Geröllberg so schnell wie möglich abzuräumen. Diese Arbeiten sowie eingehende geologische Untersuchungen haben nun die Erkenntnis gebracht: Weitere 2.000 Kubikmeter loses Felsgestein müssen vom Hang abgelöst werden. Insgesamt liegen im Bereich der Bruchstelle bei Kestert derzeit rund 15.000 Kubikmeter Felsgestein.

Dr. Volker Hentschel, Vorstand Anlagen- und Instandhaltungsmanagement DB Netz AG: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den Fels zu stabilisieren. Selbstverständlich wollen wir, dass die Züge am rechten Rhein so schnell wie irgend möglich wieder rollen. Dabei muss zuerst die Sicherheit stimmen. Wir gehen davon aus, den Betrieb noch im April wiederaufzunehmen.“

Spezialist:innen, darunter Geolog:innen und Industriekletter:innen, treiben in dem schwer zugänglichen steilen Hang die Arbeiten voran. Erst nach weiteren Sprengungen des verbliebenen losen Gesteins kann mit der weiträumigen Sicherung des Hanges mit Netzen begonnen werden. Dafür setzt ein Spezialist:innenteam 620 Anker in den Fels, für die jeweils ein bis zu neun Meter tiefes Loch gebohrt werden muss. Die Sicherungsmaßnahmen mit Netzen sind auf zwei Flächen von 1.000 bzw. 1.100 Quadratmetern im Steilhang erforderlich. Anschließend werden die Gleise von den Geröllmassen beräumt, bei Bedarf repariert, auf eisenbahntechnische Sicherheit geprüft und wieder in Betrieb genommen.  

„Hier im Rheintal haben wir es vor allem mit Schieferfelsen sowie Ton-, Silt- und Sandsteinen zu tun. Diese geologischen Bedingungen erfordern bei allem, was wir tun besondere Sorgfalt und Expertise“, sagt der beratende Geologe Dr. Jürgen Matthesius. „Damit der Hang oberhalb der Gleise nicht noch mehr belastet wird, gehen wir extrem vorsichtig und iterativ vor. Das heißt, kein großer Knall, sondern mehrere kleine Sprengungen für den stabilen Hang. Das ist übrigens auch schonender für die Flora und Fauna.“

Die Bahnstrecke zwischen Loreley und Kamp-Bornhofen bleibt in beiden Richtungen gesperrt. Der Güterverkehr im Mittelrheintal fährt zuverlässig, die DB leitet den Großteil der Züge linksrheinisch über Bingen um. Dafür hat die DB noch einmal zusätzlich Platz geschaffen. Durch eine verbesserte Disposition können seit Dienstag 20 Güterzüge mehr pro Richtung auf der linken Rheinstrecke fahren. Auch durch die Reduzierung des Nahverkehrs während einer Baumaßnahme profitiert der Güterverkehr.

Derzeit ist auch die angrenzende Bundesstraße gesperrt. Die DB steht hier zur weiteren Abstimmung in engem Austausch mit den Kommunen, dem Landesbetrieb Mobilität sowie weiteren politischen Gremien.