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Für Aromatische Bärwurz und Robustes Borstgras im Thüringer Wald • Ansaatverfahren mit neuer Technik

20 Jahre fachkundiger Naturausgleich im Bahnbauprojekt VDE8 • ökologische Aufwertung auf über 1.000 Hektar Fläche zwischen Hallstadt und Erfurt

Mitten im Thüringer Wald gibt es sie noch. Die mittlerweile selten gewordenen blütenreichen Bergwiesen. Damit das so bleibt, wurde heute in Scheibe-Alsbach, im Thüringer Landkreis Sonneberg, ein effektives Ansaatverfahren vorgestellt. Denn die Wiesen sind bedroht, da die historische bäuerliche Nutzung nicht mehr stattfindet, weshalb die Wiesen zuwachsen und die Artenvielfalt der Blühpflanzen für immer verloren geht. Dabei bieten sie zahllosen Tierarten Nahrung wie Nektar für Schmetterlinge und Wildbienen.

Die Firma Heu Heinrich stellt im Auftrag der Deutschen Bahn fast verlorene Wiesen wieder her und setzt dabei auf Spezialtechnik. Zuerst wird der Boden mit Bagger und Fräse vorbereitet. Jetzt folgt das geländegängige Unimog-Fahrzeug. Es hat einen Anbau mit Tank, der eine flüssige Mischung aus Samen, natürlichem Kleber und Wasser enthält. Mit einem Schlauch wird die Mischung jetzt im Herbst – auch an steilen Hängen - angespritzt. Im Frühjahr wachsen dann hier Kräuter wie die aromatische Bärwurz und Gräser wie das robuste Borstgras. Das ist nur die jüngste von hunderten Maßnahmen, die – gesetzlich vorgeschrieben – im Zuge des Bahnbaus im und um den Thüringer Wald wertvolle Lebensräume für die Natur schaffen.

Vor knapp 20 Jahren pflanzten erstmals im Auftrag der Bahn Landschaftsgärtner südlich von Erfurt tausende Sträucher und Bäume. Die ersten Ausgleichsflächen für den Bahnbau wurden angelegt. Jetzt ist diese Gegend gestaltet mit Aufforstungen, Hecken, Feldrainen, Streuobstwiesen, artenreichen Grünländern und Halbtrockenrasen. Damit dienen die Flächen in der ansonsten eher intensiv genutzten Landschaft als wichtige Rückzugsräume für gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Über 1.000 Hektar so genannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen entstanden und entstehen als Kompensation für den Eingriff in die Natur durch den Bau der ICE-Strecke Hallstadt – Erfurt und des Bahn-Knotens Erfurt. Insgesamt werden dafür etwa 18 Millionen Euro über die Bahn-Großprojekte investiert.

Das fachliche Spektrum der Maßnahmen ist jeweils auf die Örtlichkeit zugeschnitten: So wurden Gehölzflächen gezielt als Baumreihen, Hecken oder größere Aufforstungen angelegt, die das Klima verbessern und helfen Bodenerosion zu verhindern. Außerdem nutzen Wildtiere wie Rotwild oder das scheue Rebhuhn die Gehölze als Rückzugsort. Allein bei flächigen Aufforstungen bei Roth und Oberroth im südlichen Thüringer Wald wurden 230.000 Laubbäume und Sträucher auf 30 Ha gepflanzt. Nahe der imposanten Grümpentalbrücke oder auf bayrischer Seite nördlich von Rödental wurden mehrere Tümpel gegraben damit Frösche und Libellen einen für sie passenden Lebensraum bekommen. In Kooperation mit dem Thüringen Forst wurden insgesamt rund 100 Hektar an Fichtenmonokulturen, die teilweise stark durch Sturmereignisse geschädigt waren, mittels Bergahorn, Buche und Weißtanne zu naturnahen Laubholzbeständen entwickelt. Weiterhin wurde Ackerland in artenreiches, extensiv genutztes Grünland umgewandelt. Die örtlichen Bewirtschafter, zu denen auch die Firma Heu Heinrich im Falle der Bergwiesen gehört, pflegen diese Flächen nachhaltig und dauerhaft. Hunderte Nistkästen und Fledermauskästen wurden angebracht um Höhlen an Bäumen zu ersetzen, die der Bahnbaustelle weichen mussten. Fachlich hervorzuheben ist außerdem die Umgestaltung von naturfernen Flüssen, hin zu naturnahen Fließgewässern und die Schaffung von Rückhalteräumen, was sich im Falle von Hochwasserereignissen positiv auswirkt. Beispiele für diese Umgestaltungen sind in Thüringen bei Schalkau oder in Bayern bei Coburg und Wiesen zu finden.

Informationen zum Projekt unter www.vde8.de