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München

Mehr Platz und Komfort in 238 Zügen: Letzte modernisierte S-Bahn geht in den Einsatz

Alle 238 Züge der Baureihe ET 423 erstrahlen in neuem Glanz • Modernisierungsprogramm der Superlative abgeschlossen • Freistaat Bayern investierte 300 Millionen Euro

750 Kilometer Kabel sind verlegt, eine Fläche so groß wie 15 Fußballfelder ist neu lackiert und mehr als 4.200 Monitore und LED-Anzeigen sind verbaut: Mit dem letzten modernisierten S-Bahnzug geht heute ein Projekt der Superlative zu Ende. Für Fahrgäste in und um München bedeutet das vor allem mehr Platz, innovatives Design und mehr Komfort. Jetzt sind alle S-Bahnen der Baureihe ET 423 im modernen Look in und um München unterwegs. Der Freistaat Bayern investierte rund 300 Mio. Euro in die Modernisierung.

„Die Mittel, die der Freistaat für die Modernisierung der Fahrzeuge zur Verfügung gestellt hat, sind gut angelegt. Die Fahrzeugflotte wurde nicht nur technisch fit gemacht für weitere Jahre im Dauereinsatz. Durch die Umgestaltung lassen sich auch die vorhandenen Kapazitäten der S-Bahnen besser ausnutzen. Damit gewinnt die S-Bahn München schon vor Inbetriebnahme der 2. S-Bahn-Stammstrecke weiter an Effizienz und verbessert das klimafreundliche Mobilitätsangebot im Großraum München“, sagt Kerstin Schreyer, Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr.

„Bereits auf den ersten Blick zeigen sich die Stärken der neuen Innenraumgestaltung. Die S-Bahn wirkt weiter, freundlicher und vor allem durchlässiger“, fügt Thomas Prechtl hinzu, Sprecher der Geschäftsführung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr im Freistaat plant, finanziert und kontrolliert.

Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der DB für Bayern: „Mit mehr Kapazität und innovativem Design sorgt die modernisierte Flotte für einen attraktiven S-Bahn-Verkehr in der Metropolregion München. Das ist ein wichtiger Baustein für eine starke Schiene und klimafreundliche Mobilität in Bayern.“

S-Bahn-Chef Heiko Büttner: „Mit dem Abschluss der Modernisierung sind wir für unsere Fahrgäste mit einer topmodernen Flotte unterwegs, die deutschlandweit ihresgleichen sucht. Die Modernisierung ist zentraler Bestandteil unseres Aktionsprogramms ,Zukunft S-Bahn München‘ mit dem wir Qualität und Service für unsere Fahrgäste nachhaltig verbessern.“


Mehr Platz und ausgezeichnetes Design

Die Fahrzeuge aus den Jahren 2000 bis 2005 sind nach der Modernisierung kaum wiederzuerkennen. Großzügig gestaltete Einstiegsbereiche ermöglichen einen schnellen Ein- und Ausstieg und dank Stauraum für Gepäck können sich die Reisenden im Zug besser verteilen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Fahrgastinformation: Acht doppelseitige Breitbildmonitore informieren in Echtzeit über den aktuellen Fahrtverlauf. Durch eine neue Raumaufteilung und transparentere Gestaltung sind die S-Bahnen zudem über die gesamte Länge gut zu überblicken. Zusammen mit der hellen, tageszeitabhängigen LED-Beleuchtung in wechselnden Lichtfarben sorgt dies für eine bessere Raumwirkung und gesteigertes Sicherheitsempfinden. Das Design der modernisierten Züge wurde 2018 auch mit dem „German Design Award“ ausgezeichnet. Mit vier unterschiedlichen Sitzbereichen bieten die Züge außerdem für jeden Fahrgast etwas: von Familienbereichen, über Mehrzweckbereiche bis hin zur klassischen via-à-vis-Bestuhlung mit drei oder vier Sitzen. Durch die neue Anordnung bieten die Fahrzeuge Platz für mehr Fahrgäste und sind somit wichtiger Baustein für eine starke Schiene in der wachsenden Metropolregion München.

(Alle Fotos können hier oder rechts im Bereich "Bildmaterial" heruntergeladen werden.)


Umbau erfolgte im Wochenrhythmus an zwei Standorten

Ziel war es, die Modernisierung zügig umzusetzen und trotzdem ausreichend Fahrzeuge für den laufenden Betrieb verfügbar zu halten. Um alle 238 S-Bahnen in gut drei Jahren umzubauen, haben daher zwei Werke der DB Fahrzeuginstandhaltung in Nürnberg und Hagen parallel gearbeitet. Im Wochentakt fuhren S-Bahnen zu den Standorten und kamen von dort zurück. In den Werken wurde jeder Zug binnen weniger Wochen entkernt, frisch lackiert und mit neuer Technik und Einrichtung ausgestattet. Bis zu 100 Arbeitskräfte waren dafür teils rund um die Uhr an jedem Fahrzeug tätig, von Lackierer:innen über Schlosser:innen bis hin zu Elektriker:innen. Ein wichtiges Thema ist die Nachhaltigkeit: Viele Teile sind ressourcenschonend aufgearbeitet und wiederverwendet worden. So wurden die Sitze generalüberholt, sandbestrahlt und neu bezogen. Ebenfalls wiederverwertet wurden Teile der Verkleidungen und Dämmmaterialien. 

Sommer 2021: Im Wochentakt kommen die Münchner S-Bahnen nach Nürnberg, um ihre Schönheitskur und ein technisches Upgrade zu erhalten. Markus Motzet, Leiter Optimierung und Qualität des Werkes Nürnberg, erklärt: „Wir hier in Nürnberg und das Werk in Hagen sind auf schwere Instandsetzung genau dieses Zugtyps spezialisiert“. Jeder Zug durchläuft in Nürnberg mehrere Stationen: In der ersten Woche wird er innen komplett entkernt. Das heißt: Sitze, Verkleidungen, Böden und Technik müssen raus. Anschließend geht es in die Lackierhalle, damit die Züge in frischem Lack erstrahlen können. In der Folgewoche wird im Inneren dann schon der neue Boden verlegt, ehe anschließend Elektrik, Technik und Innenausstattung eingebaut werden.

Während dieser Arbeitsschritte erinnert im Inneren nichts mehr an die S-Bahn, wie sie die Münchner:innen kennen: An den Seitenwänden sieht man Dämmmaterial, Kabel hängen von der Decke und der Boden ist mit schwarzen Schutzmatten bedeckt. An allen möglichen Stellen wird geschraubt und gearbeitet, um die Elektromontage fertigzustellen, Deckenhalterungen zu verbauen und Verkleidungen anzubringen. Eine weitere Woche später ist das Fahrzeug dann schon fast fertig. Nun muss noch alles elektrisch geprüft und die letzten Teile müssen verbaut werden, ehe die Abnahme erfolgt und das Fahrzeug zurück in die Heimat fährt.

„Das ist das Lieblingsprojekt vieler Mitarbeitenden hier, und das merkt man daran, mit wie viel Engagement und Enthusiasmus alle bei der Sache sind“, berichtet Markus Motzet, der auch selbst S-Bahn-Fan ist. Dass das Modernisierungsprojekt nun abgeschlossen ist, macht ihn daher auch etwas wehmütig: „Also, ich persönlich bin schon auch traurig. Immerhin hab‘ ich die S-Bahnen über einen so langen Zeitraum hier jeden Tag auf der Arbeit gesehen. Das fehlt dann natürlich erst einmal“. Doch auch hier gilt wie so oft: Des einen Leid, ist des andern Freud. Und so können sich alle S-Bahn-Fahrgäste in und um München nun über eine komplett modernisierte Flotte freuen.

(Den vollständigen Artikel können Sie im S-Bahn-Online-Magazin lesen.)



Zahlen, Daten und Fakten zum Modernisierungsprojekt

Das S-Bahn-Fahrzeug ET 423

Anzahl Fahrzeuge

238

Baujahre

2000 - 2005

Höchstgeschwindigkeit

140 km/h

Länge

67,4 m

Anzahl Achsen

10

Gewicht

105 t

Nennleistung

2.350 kW

Kapazität
Vor der Modernisierung
Nacht der Modernisierung


544 Personen
612 Personen

2017: Modell des Zuges wurde im Kundencenter ausgestellt und erster Musterzug wurde modernisiert.

Juli 2018: Jungfernfahrt mit Staatsministerin Ilse Aigner, DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber, S-Bahn-Chef Heiko Büttner und dem Sprecher der Geschäftsführung der BEG Johann Niggl. Der Zug ging anschließend auf Tour durch die Landkreise.

Dezember 2018: Modernisierte S-Bahn München erhält „German Design Award“. Der Rat für Formgebung hat den German Design Award 2019 an die auf Industriedesign spezialisierte Münchner Agentur Neomind vergeben und ihr die Auszeichnung „Special Mention“ in der Kategorie „Aviation, Maritime and Railway“ verliehen. Ausgezeichnet wurde die herausragende Designqualität bei dem Modernisierungsprojekt für die Fahrzeugflotte der S-Bahn München.

Oktober 2021: Abschluss der Modernisierung. Der ET 423 457 geht als letztes von 238 Fahrzeugen in den Einsatz.



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